Freitag, 19. Juni 2020

Gottes Ebenbild

Es ist inzwischen gute 3 Wochen her, seit der US-Amerikaner George Floyd einen Satz gesagt hat, der wahrscheinlich in die Weltgeschichte eingehen wird: „I can’t breathe“, was übersetzt heißt: „Ich kann nicht atmen“. Sie kennen natürlich die gleichermaßen traurige, wie tragische Geschichte, die mit diesem Satz verbunden ist: Ein US-Polizist hatte George zu Boden gedrückt und kniete auf seinem Hals – bis er starb. Es gibt Videoaufnahmen von diesem Vorfall, der längst um die ganze Welt gegangen ist.

Seither gibt es nahezu überall auf der Welt Demonstrationen, die sich gegen Ungerechtigkeit und Rassismus wenden, leider immer wieder auch mit Gewaltausschreitungen. Gleichzeitig haben die Ereignisse in den USA aber auch dazu geführt, dass die Probleme, die Menschen mit anderer Hautfarbe oft genug ausgesetzt sind, in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Dabei wurde sehr schnell klar, dass Rassismus keineswegs nur ein Problem in den USA ist, sondern in allen Ländern mehr oder weniger ausgeprägt eine Rolle spielt – auch bei uns in Deutschland. Oft genug tritt man Menschen, die eine andere Hautfarbe haben, offen aggressiv gegenüber, viel häufiger ist es aber eine eher unterschwellige Ablehnung, die diesen Menschen entgegenschlägt.

Woher kommt das? Warum werden Menschen, die anders aussehen, die eine andere Sprache sprechen, die eine andere Religion oder eine andere Kultur haben, oft genug pauschal als Feind gesehen? Ich will dabei nicht übersehen, dass es tatsächlich viele Menschen gibt, die sich vor Fremden fürchten. Die Frage ist aber, ob das so sein muss und ob es nicht eine Möglichkeit gibt, das zu überwinden? Denn dass sich auch Menschen gleicher Hautfarbe, ja gleicher Nationalität bedrohen können, ist keine neue Erkenntnis.

Wenn wir uns als Christen die Anfänge der Menschheit im biblischen Zusammenhang ansehen, dann müssen wir erkennen, dass wir dort als Gottes Ebenbilder bezeichnet werden. Im 1. Mose steht der Satz: „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde“. Nach meinem Verständnis sind damit alle Menschen gemeint – ohne Unterschied. Menschen können unterschiedliche Hautfarbe haben, können sich durch ihr Denken und Handeln unterscheiden, sie können in verschiedenen Erdteilen leben, aber alle sind und bleiben Gottes Ebenbilder.

Es wäre doch schön, wenn es uns gelingen könnte, uns diese Sichtweise zu Eigen zu machen: Uns gegenseitig als Gottes Ebenbilder zu akzeptieren.

(Holger Höppner, 19.06.20)

Dienstag, 16. Juni 2020

Ekel Alfred lässt grüßen

Erinnern Sie sich noch an „Ein Herz und eine Seele“, diese Fernsehserie aus den Siebzigern? Der Titel hatte nur wenig zu tun mit der Familie, um die es ging. Der Zuschauer wurde im Gegenteil Zeuge von Streitereien und Situationen, die es wahrscheinlich nicht nur in der Familie Tetzlaff, sondern schon immer in den „besten Familien“ gab.

Das, was man dort im Kleinen beobachten durfte, ist leider auch das, was man beim Blick in die Welt und auf die Gesellschaft feststellen muss: Streit und Spaltung allerorten. Nicht nur in Atlanta/USA, wo schon wieder ein Afroamerikaner der Polizeigewalt zum Opfer gefallen ist, und wo inzwischen seit Wochen viele Menschen auf die Straße gehen, um gegen Hass, Rassismus und Ungerechtigkeit zu demonstrieren. Von dort sind diese Demonstrationen im Prinzip in die ganze Welt geschwappt, weil sich eben leider das Problem, mehr oder weniger, fast überall auf diesem Globus zeigt. 

Völlig anders geht es da in der ersten Gemeinde der Christenheit zu, von der in der Apostelgeschichte (4,32-37) berichtet wird. Dort war man, so erzählt es Lukas, ein Herz und eine Seele. Eine Gemeinschaft, in der Harmonie und Solidarität herrschte, in der einer für den anderen da war und Gütergemeinschaft gelebt wurde.

Ich kann mit zwar nicht vorstellen, dass dieses System tatsächlich immer perfekt funktioniert hat. Auch dort wird es immer mal wieder Streit und Auseinandersetzungen gegeben haben. Aber wenn ich mir das, was Lukas beschreibt, als Leitfaden für unser Miteinander in unserer Welt, im Großen und im Kleinen, vorstelle, dann ist das ein Ziel, für das es sich zu arbeiten und zu streiten lohnt. Es wäre wie ein kleines Licht, das auf das große Licht, genannt das Reich Gottes, hinweist. Es wäre eine Welt, in der Gerechtigkeit und Frieden nicht nur Schlagworte blieben, sondern gelebte Wirklichkeit wäre. Wir sollten es versuchen. Jeder in seinem kleinen Bereich – in unser aller Interesse und Gott zur Ehre!

(Holger Höppner, 16.06.20)

Samstag, 13. Juni 2020

Endlich Urlaub ... der zweite Blog-Beitrag von Nicole Fischer-Kentschke


Es kehrt ein bisschen Normalität in unseren Alltag zurück und das bedeutet, dass wir unseren bereits im letzten Jahr geplanten Urlaub nun doch antreten können.
Naja, was heißt im letzten Jahr geplant: Im letzten Jahr haben wir uns dafür entschieden mit unserem Sohn im Juni in die Berge zu fahren. Welche Berge es werden sollten, stand damals noch nicht fest.
Wir hatten die polnischen Berge ins Auge gefasst, uns aber nie wirklich entscheiden können. Mal passte der Preis nicht zu unseren Vorstellungen, mal war die Strecke für die Fahrt mit einem einjährigen Kind einfach ein bisschen zu lang. Und dann gibt es ja auch die Diskussionen um Nachhaltigkeit, Erderwärmung und Umweltschutz, gerade für junge Eltern bedeutende Themen. Was für eine Welt übergeben wir unserem Sohn?
Um ehrlich zu seien, haben wir nach unseren ganz persönlichen Corona-Urlaubserfahrungen zunächst keine Lust mehr auf einen ungewissen Urlaub.
Wir flogen Anfang März nach Gran Canaria. Nach kurzer Zeit verhängte der spanische Ministerpräsident eine landesweite Ausgangssperre, diese betraf auch die Kanarischen Inseln. Ein paar Stunden später wurde dann unser Rückflug von der Fluggesellschaft annulliert und damit saßen wir erst einmal im Ungewissen. Wir schafften es nach einer gefühlten Ewigkeit mit einem Mitarbeiter der Airline zu telefonieren und bekamen einen neuen Flug zugeteilt, der drei Tage früher stattfinden sollte, als unser eigentlich geplanter Flug. Da wir unsere Urlaubsunterkunft bis dahin nicht mehr verlassen durften, kam uns das ganz gelegen. In der Zwischenzeit patrouillierte die heimische Polizei in den Dörfern und kontrollierte, dass sich niemand außerhalb seiner eigenen vier Wände aufhielt. Das Highlight des Tages war es den Windelmüll, unerlaubter Weise, zur Mülltonne zu bringen. Da sich diese außerhalb des umzäunten Gebiets befand, war das verboten. Wohl gemerkt, in einem freiheitlichen Staat Europas!
Nachdem auch unser Ersatzflug annulliert wurde, haben wir es mit viel Mühe doch noch geschafft, die Insel zu verlassen und nach Hause zu kommen. Wir waren erst einmal bedient.
Jetzt, mit ein wenig Abstand zum damaligen Geschehen und den ersten Corona-Lockerungen, konnten wir doch wieder über Urlaub nachdenken. Corona hat zwar für einige Wochen alles überschattet, die Erderwärmung gibt es aber trotzdem noch und somit wird der Umweltschutz auch bald wieder ganz vorne auf der Tagesordnung erscheinen.
Die Entscheidung, in welches Gebirge wir fahren, wurde uns weitestgehend durch Corona abgenommen. Selbst wenn wir wieder fliegen dürfen und die Lufthansa sogar garantiert, dass sie uns wieder nach Hause holt, geht es ins heimische Gebirge. Die Anfahrt ist überschaubar, die Umwelt wird nicht übermäßig geschädigt und die Gastfreundschaft wird wohl wahnsinnig werden.
Wenn wir nun also in einigen Tagen auf einer Alm sitzen, unserem Sohn dabei zusehen, wie er versucht Steinchen in die Mitte von Kuhfladen zu werfen und uns die Sonne ins Gesicht scheint, werden wir wissen, dass trotz dieser komischen Zeiten vieles gut sein kann, man muss es nur sehen.
Frei nach dem Motto: „Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde das Gute des HERRN im Lande der Lebendigen.“ (Psalm 27,13)

Nicole Fischer-Kentschke - 13.06.2020

Freitag, 12. Juni 2020

Ich glaube...

Rein zufällig bin ich am Mittwochabend beim Zappen durch das Fernsehprogramm beim WDR gelandet. Dort lief die Sendung „Merci Cherie – Die Hits der 60er und ihre Geschichte“. Ich war überrascht, dass ich fast alle Lieder aus dieser Zeit kannte.
Zu den wenigen, die ich nicht kannte, gehörte das Lied „Ich glaube“ von Udo Jürgens aus dem Jahr 1968. Der Text ist so zeitlos, dass er nach wie vor aktuell ist. Leider! Denn nichts von dem, was Udo Jürgens anklagend singt, ist seither besser geworden:

Ich glaube - dass der Acker, den wir pflügen,
Nur eine kleine Weile uns gehört.
Ich glaube - nicht mehr an die alten Lügen,
Er wär auch nur ein Menschenleben wert...
Ich glaube - dass den Hungernden zu Speisen,
Ihm besser dient als noch so kluger Rat...
Ich glaube - Mensch sein und es auch beweisen
Das ist viel nützlicher als jede Heldentat...

Refr.
Ich glaube - diese Welt müsste groß genug
Weit genug, reich genug für uns alle sein
Ich glaube - dieses Leben ist schön genug,
Bunt genug, Grund genug sich daran zu erfreuen...

Ich glaube - dass man die erst fragen müsste,
Mit deren Blut und Geld man Kriege führt.
Ich glaube - dass man nichts vom Krieg mehr wüsste,
Wenn wer ihn will auch am meisten spürt...
Ich glaube - dass die Haut und Ihre Farbe,
Den Wert nicht eines Menschen je bestimmt.
Ich glaube - niemand brauchte mehr zu darben,
Wenn auch der geben wird, der heut nur nimmt!

Refr.
Ich glaube - diese Welt müsste groß genug
Weit genug, reich genug für uns alle sein
Ich glaube - dieses Leben ist schön genug,
Bunt genug, Grund genug sich daran zu erfreuen...


Nein, der Text dieses Liedes stammt nicht aus der Bibel, aber ich habe den Eindruck, man hört einen der alttestamentlichen Propheten, der im Auftrag Gottes den Menschen ins Gewissen redet, endlich ihr Leben zu ändern und dafür Sorge zu tragen, dass es allen Menschen gut geht; endlich ein im besten Sinne gottgefälliges Leben zu führen.

Dass wir davon weit entfernt sind, merken wir spätestens beim Blick in die Nachrichten. Aber muss dieses Leben, das Gott sich von uns und für uns wünscht, eine Utopie bleiben? Ich glaube, ich hoffe, ich bin überzeugt davon: Das muss es nicht!

Vielleicht möchten Sie sich dieses Lied anhören? Sie finden es z.B. bei YouTube:  https://www.youtube.com/watch?v=jnCRBxxA5HA

(Holger Höppner, 12.06.20)

Donnerstag, 11. Juni 2020

… pass auf dich auf!



Manchmal enden so Gespräche mit lieben Menschen. Pass auf dich auf! Es klingt wie ein Auftrag, der mich manchmal fragend zurück lässt. Von Berufs wegen kann ich ganz gut auf andere aufpassen. Aber auf mich selbst? Wie geht das? In Zeiten, in denen durch eine Pandemie alles auf den Kopf gestellt ist. Wenn einem zeitgleich die Arbeit über den Kopf zu wachsen scheint. Und dass so viele Menschen um mich herum irgendwie Hilfe gebrauchen könnten, die ich gar nicht leisten kann.
Also, wie kann ich es dann anstellen mit dem Aufpassen?
Zwei Möglichkeiten habe ich gefunden, eine hängt auch mit diesem Blog zusammen. Der ja schon morgens, vor dem Weg zur Arbeit erscheint. Da habe ich vor einigen Wochen begonnen, eine Routine wiederzubeleben, die ich sonst nur für Krisenzeiten entwickelt habe, meistens bin ich dann nicht zu Hause. Das geht dann so: Über die Homepage der Herrnhuter Losungen die aktuellen Texte nachlesen. Dann den Friedenskirchen-Blog lesen. Ein Vater Unser und Gott alles antragen, was mir gerade wichtig ist. Für unterwegs geht das auch rein digital: mit den Losungen auf dem Handy, der aktuellen Bibel-Version auf dem E-Book-Reader. Ganz leichtes Gepäck - riesiger Inhalt! Funktioniert auch mal im Krankenhaus, im Urlaub, auf Dienstreise….
Mein kleines Ritual dauert rund zehn Minuten und ja, es hat sich zu Hause erst durch Corona etablieren können. Das liegt daran, dass ich auf einmal morgens alleine war. Die Kinder hatten ja bislang keinen Grund, früh aufzustehen, die Aufgaben für zu Hause lassen sich auch später erledigen.
Früher habe ich Menschen für ihre Disziplin bewundert, wenn sie erzählt haben, dass sie so eine Andachtszeit schon immer in ihrem Tagesablauf unterbringen. Inzwischen spüre ich: Ich kann das völlig ohne Zwang tun, nur für mich.
Manchmal schaffe ich es dann sogar, Gedanken aus dieser Zeit mit in den Tag zu nehmen, oft nicht. Aber diese Zeit ist zumindest eine Möglichkeit, auf mich aufzupassen.
Auch weil ich dabei jemanden bitten kann, mir dabei zu helfen.
Der zweite Teil besteht dann in etwas mehr Bewegung und heißt: Spazierengehen. Klingt langweilig - ist für mich aber genauso wichtig wie das Lesen am Morgen. Eine Runde rund um Stuckenbusch, Schritt für Schritt aus dem Tag heraus. Da geht es gar nicht um Sport, ich brauche noch nicht mal einen Hund dazu und erst recht keine Kopfhörer, es geht nur ums Abschalten und Verarbeiten. 
Also: Pass auf dich auf! - Mit Bibellesen und Spazierengehen, auch wenn dazwischen zehn Stunden Arbeit liegen. Passt!

(Juliane Schild, 11.06.20)

Mittwoch, 10. Juni 2020

Wünsch Dir was ... im Gottesdienst

Im Sommer darf man/frau sich in der Friedenskirche etwas wünschen.
Auch und gerade in diesem Cornona-infizierten Jahr.


So soll es auch in den Sommerferien 2020 wieder "Wunsch-Predigten" geben, zum Beispiel über
... ein Lied aus dem Gesangbuch, das Sie vermisst haben, als nicht gesungen werden konnte
... oder einen Bibelvers, der durch die letzten Wochen und Monate Ihnen (wieder) wichtig wurde
... oder ein Bild aus der Kunst
... oder ein besonders anrührendes Foto oder ein Video aus dem Netz
... oder über eine gerade tagesaktuelle Frage

Sie sehen: Ganz viel ist möglich. Besser: Ich versuche, ganz viel möglich zu machen.
Wenn Sie einen Wunsch haben, melden Sie sich: Am besten per E-mail an
burkhard.mueller@cityweb.de
Oder gern auch telefonisch oder persönlich ... 

Burkhard Müller - 10. Juni 2020


Dienstag, 9. Juni 2020

Das ist doch nur ein Wort!


„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden." So steht es in Artikel 3 unseres Grundgesetzes.

Nun regen die Grünen an, den Begriff „Rasse“ zu streichen, weil er dem Geist der Verfassung widerspreche. So äußert sich Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Grünen, in einem Gastbeitrag in der Berliner „Tageszeitung“: „Es ist Zeit, dass wir Rassismus verlernen. Allesamt.“

Anlass dieser Äußerungen sind die vielen Demonstrationen gegen Rassismus, die in den vergangenen Tagen in Deutschland und in vielen anderen Ländern dieser Welt stattgefunden haben. Zusammen mit der Vizepräsidentin des Landtags Schleswig-Holstein, Aminata Touré, betonen die beiden: „Es gibt eben keine `Rassen´. Es gibt Menschen.“

Ich gebe zu, dass ich mir dieses Problems bisher überhaupt nicht bewusst gewesen bin, ja nicht einmal gesehen habe, dass es ein Problem sein könnte. Aber ich finde: Die beiden haben absolut Recht! Es gibt keine Unterschiede zwischen Menschen. Nach unserem christlichen Verständnis sind alle Menschen gleich und auch gleich viel Wert, weil wir Gottes Ebenbild sind. Wir müssen uns unseren Wert nicht erst durch irgendwelche Leistungen, durch besondere Aktionen oder durch gute Taten verdienen.

Paulus sagt dazu in seinem Brief an die Römer: „Was sich keiner verdienen kann, schenkt Gott in seiner Güte: Er nimmt uns an, weil Jesus Christus uns erlöst hat.“

Vielleicht ist der Begriff „Rasse“ in unserem Grundgesetz nur ein Wort und sicherlich haben die Väter und Mütter dieses Gesetzes das Wort im besten Sinne verwendet. Im Sinne des Vorschlags von Habeck und Touré darüber nachzudenken, halte ich aber für eine gute und lohnenswerte Sache.

(Holger Höppner, 09.06.20)

Montag, 8. Juni 2020

Zusammenstehen ...


"... es ist scheißegal, ob arm oder reich,
ob schwarz oder weiß
jedes verlorene Leben ist ein zu hoher Preis ...." 
So lautet eine Zeile aus einem Lied von SEBEL.
SEBEL, eigentlich Sebastian Niehoff, ist ein Musiker hier aus dem Ruhrgebiet und veröffentlichte Mitte März seinen Song "Zusammenstehen". Damals ging es um das Coronavirus.
"Zusammenstehen" wurde seither allein bei YouTube über 2 Millionen geteilt.
 
Jetzt gerade demonstrieren rund um den Globus Menschen zu Zehntausenden und rufen "Black Lives Matter", englisch für „Schwarze Leben zählen!“.
Der entsetzliche Mord an George Floyd hat diesen Ruf erst in den USA und dann weltweit laut werden lassen: "Schwarze Leben zählen". Allein in München waren an diesem Wochenende über 25.000 Menschen deshalb auf der Straße.

Auch der Song von SEBEL, inzwischen in vielen Sprachen in wechselnden Besetzungen von vielen anderen Musikern erschienen, hat durch den Tod von George Floyd noch einmal an Aktualität gewonnen. Die Armen, die Schwarzen, die "Nicht-Weißen" sind von Corona überall viel zahlreicher und schlimmer betroffen. Auch das ist ja eine Form von Rassismus ...


Armut und Benachteiligung sind immer ein guter Virus-Nährboden: In deutschen Schlachthöfen, in den USA, in den Armenvierteln von Brasilien. (Übrigens: Gerade habe ich die Meldung gelesen, dass Brasilien ab sofort seine verheerenden Zahlen zu Corona verschweigen will.)

"Es geht kein Mensch über die Erde, den Gott nicht liebt."
Diesen Autoaufkleber kann man als frömmelnd belächeln - oder aber als Protestschrei hören.

Den kann man überlesen - oder beim Wort nehmen:
Bei Gott - jedes Leben zählt. Gleichermaßen.

Burkhard Müller - 8. Juni 2020

Und hier der vollständige Text des Liedes "Zusammenstehen"

Es traf uns wie ein Schlag ins Gesicht
Aus 'nem fiesen dunklen Hinterhalt
Erst einen, dann zwei, dann gleich tausende
Und es ist kein Ende in Sicht
Auch der Kiosk um die Ecke macht die Schotten dicht
Ich weiß, es tut weh, doch anders geht es nicht
Doch, ich glaub', dass sich da gerade was großes tut
Zwischen hier und dem Ende der Welt
Nichts bleibt wie es war, die Weichen werden neu gestellt
Ich bleib' Optimist und ich geb' nicht auf
Am Ende kommt bestimmt etwas Gutes raus
Wir können etwas schaffen, wenn wir als Menschen
Das Große und Ganze sehen
Und in den Kampf gehen, gegen das Virus
Weil wir alle zusammenstehen
Es geht ein Gespenst um die Welt und es ist scheißegal
Ob arm oder reich
Ob schwarz oder weiß
Jedes verlorene Leben ist ein zu hoher Preis
Auch wenn es droht, dass es alles auseinanderreißt
Könnt' es sein, dass es uns alle zusammen schweißt
Ich glaube an das Gute und ich hör' damit nicht auf
Wir können etwas schaffen, wenn wir als Menschen
Das Große und Ganze sehen
Und in den Kampf gehen, gegen das Virus
Weil wir alle zusammenstehen
Es geht ein Gespenst um die Welt und es ist scheißegal
Ob arm oder reich
Ob schwarz oder weiß
Jedes verlorene Leben ist ein zu hoher Preis
Zusammen stehen ...

Samstag, 6. Juni 2020

Das interessiert doch keine Sau

…außer wahrscheinlich die Sau selber. Und der geht es meistens nicht gut. Weil sie nämlich oft genug auf einem harten Betonboden steht und wegen der Metallgitter, zwischen denen sie steht, kaum Platz hat, sich zu bewegen: Die Zuchtsau.


Gestern hätte der Bundesrat darüber entscheiden sollen, welche Regeln es zukünftig für die Haltung von Zuchtsauen gibt. Eine Abstimmung allerdings gab es dann doch nicht, weil der Kompromissvorschlag letztlich nicht mehrheitsfähig gewesen wäre.

Tatsächlich wäre dieser Kompromiss auch kein ganz großer Wurf gewesen, sollten die Stände doch lediglich etwas größer sein als bisher und der Aufenthalt der Säue in diesen Ständen etwas kürzer.

Letztendlich geht es auch bei dieser Diskussion um die Frage, wie wir mit Tieren umgehen, vor allem mit denen, die eben nicht das Glück haben, auf einem Bauernhof zu leben, auf dem sie viel Platz und Auslauffläche haben, also im besten Sinne artgerecht gehalten werden.

Und natürlich geht es vor allem ums Geld. Um unser Geld. Wenn wir nämlich nicht bereit sind, für unser Schnitzel so viel zu bezahlen, um dem Schwein ein halbwegs gutes Leben zu ermöglichen, dann wird es äußerst schwer sein, die z. T. unhaltbaren Zustände in der Massentierhaltung zu verändern.

Ich finde aber, es darf uns nicht egal sein, wie unser Fleisch produziert wird, wenn wir denn schon Fleisch essen wollen. Als Christen müssen wir auch an dieser Stelle Verantwortung für die Natur, für die Schöpfung übernehmen. Nutzen wir doch unsere Macht als Verbraucher und achten ganz bewusst beim nächsten Einkauf darauf, wo und wie unser Fleisch produziert wird. Das Tierwohllabel kann uns dabei helfen und erst Recht der Metzger unseres Vertrauens.

(Holger Höppner, 06.06.20)

P.S.: Morgen ist Sonntag, darum gibt es keine Kurzandacht in diesem Blog. Aber vielleicht sehen wir uns ja im Gottesdienst? Ich freue mich auf Sie!

Freitag, 5. Juni 2020

Trump hält ein Buch hoch ...

Trump hält ein Buch hoch ... das könnte einem ja eigentlich egal sein.
Wenn's nicht ein besonderes Buch wäre, das Buch der Bücher, die Bibel.


"Eine Kriegserklärung", so kommentiert das Johannes Schneider in der ZEIT:
"Donald Trump hält die Bibel hoch, anstatt in ihr zu lesen. So macht es ein Messias, der glaubt, ihre Geschichte fortschreiben zu dürfen. Egal wie."

Für den kurzen Weg zu diesen Phototermin musste eine friedliche Demonstration mal eben mit Gewalt und Tränengas aufgelöst werden.
Egal.
Es gab Proteste der örtlichen Bischöfin, ihre Kirche doch nicht als Kulisse zu missbrauchen.
Egal.
Es gab weltweit Irritation, Entsetzen, Spott - alles egal.

Es ist egal vor allem für die, auf deren Stimmen Trump zielt.
Mit Endzeitstimmung, mit "albernen Inszenierungen",
mit religiösem Pathos sind diese Menschen gut zu erreichen.

Und - sie nennen sich Christen.
Das tue ich ja auch.
Manchmal denke ich: Sollte ich nicht damit aufhören, mich Christ zu nennen?
In diesen Zeiten, angesichts solcher Bilder?
Um jeder Verwechslungsgefahr vorzubeugen?


In dem Buch, das Trump da hochhält, finden sich auch die zehn Gebote.
Das zweite Gebot lautet:  Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen.
Das ist einfach, klar, unmissverständlich.

Und ist das finale Urteil über das, was Donald Trump am Montag inszeniert hat.

Burkhard Müller -  5. Juni 2020