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Mittwoch, 10. Juni 2020

Wünsch Dir was ... im Gottesdienst

Im Sommer darf man/frau sich in der Friedenskirche etwas wünschen.
Auch und gerade in diesem Cornona-infizierten Jahr.


So soll es auch in den Sommerferien 2020 wieder "Wunsch-Predigten" geben, zum Beispiel über
... ein Lied aus dem Gesangbuch, das Sie vermisst haben, als nicht gesungen werden konnte
... oder einen Bibelvers, der durch die letzten Wochen und Monate Ihnen (wieder) wichtig wurde
... oder ein Bild aus der Kunst
... oder ein besonders anrührendes Foto oder ein Video aus dem Netz
... oder über eine gerade tagesaktuelle Frage

Sie sehen: Ganz viel ist möglich. Besser: Ich versuche, ganz viel möglich zu machen.
Wenn Sie einen Wunsch haben, melden Sie sich: Am besten per E-mail an
burkhard.mueller@cityweb.de
Oder gern auch telefonisch oder persönlich ... 

Burkhard Müller - 10. Juni 2020


Dienstag, 9. Juni 2020

Das ist doch nur ein Wort!


„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden." So steht es in Artikel 3 unseres Grundgesetzes.

Nun regen die Grünen an, den Begriff „Rasse“ zu streichen, weil er dem Geist der Verfassung widerspreche. So äußert sich Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Grünen, in einem Gastbeitrag in der Berliner „Tageszeitung“: „Es ist Zeit, dass wir Rassismus verlernen. Allesamt.“

Anlass dieser Äußerungen sind die vielen Demonstrationen gegen Rassismus, die in den vergangenen Tagen in Deutschland und in vielen anderen Ländern dieser Welt stattgefunden haben. Zusammen mit der Vizepräsidentin des Landtags Schleswig-Holstein, Aminata Touré, betonen die beiden: „Es gibt eben keine `Rassen´. Es gibt Menschen.“

Ich gebe zu, dass ich mir dieses Problems bisher überhaupt nicht bewusst gewesen bin, ja nicht einmal gesehen habe, dass es ein Problem sein könnte. Aber ich finde: Die beiden haben absolut Recht! Es gibt keine Unterschiede zwischen Menschen. Nach unserem christlichen Verständnis sind alle Menschen gleich und auch gleich viel Wert, weil wir Gottes Ebenbild sind. Wir müssen uns unseren Wert nicht erst durch irgendwelche Leistungen, durch besondere Aktionen oder durch gute Taten verdienen.

Paulus sagt dazu in seinem Brief an die Römer: „Was sich keiner verdienen kann, schenkt Gott in seiner Güte: Er nimmt uns an, weil Jesus Christus uns erlöst hat.“

Vielleicht ist der Begriff „Rasse“ in unserem Grundgesetz nur ein Wort und sicherlich haben die Väter und Mütter dieses Gesetzes das Wort im besten Sinne verwendet. Im Sinne des Vorschlags von Habeck und Touré darüber nachzudenken, halte ich aber für eine gute und lohnenswerte Sache.

(Holger Höppner, 09.06.20)

Montag, 8. Juni 2020

Zusammenstehen ...


"... es ist scheißegal, ob arm oder reich,
ob schwarz oder weiß
jedes verlorene Leben ist ein zu hoher Preis ...." 
So lautet eine Zeile aus einem Lied von SEBEL.
SEBEL, eigentlich Sebastian Niehoff, ist ein Musiker hier aus dem Ruhrgebiet und veröffentlichte Mitte März seinen Song "Zusammenstehen". Damals ging es um das Coronavirus.
"Zusammenstehen" wurde seither allein bei YouTube über 2 Millionen geteilt.
 
Jetzt gerade demonstrieren rund um den Globus Menschen zu Zehntausenden und rufen "Black Lives Matter", englisch für „Schwarze Leben zählen!“.
Der entsetzliche Mord an George Floyd hat diesen Ruf erst in den USA und dann weltweit laut werden lassen: "Schwarze Leben zählen". Allein in München waren an diesem Wochenende über 25.000 Menschen deshalb auf der Straße.

Auch der Song von SEBEL, inzwischen in vielen Sprachen in wechselnden Besetzungen von vielen anderen Musikern erschienen, hat durch den Tod von George Floyd noch einmal an Aktualität gewonnen. Die Armen, die Schwarzen, die "Nicht-Weißen" sind von Corona überall viel zahlreicher und schlimmer betroffen. Auch das ist ja eine Form von Rassismus ...


Armut und Benachteiligung sind immer ein guter Virus-Nährboden: In deutschen Schlachthöfen, in den USA, in den Armenvierteln von Brasilien. (Übrigens: Gerade habe ich die Meldung gelesen, dass Brasilien ab sofort seine verheerenden Zahlen zu Corona verschweigen will.)

"Es geht kein Mensch über die Erde, den Gott nicht liebt."
Diesen Autoaufkleber kann man als frömmelnd belächeln - oder aber als Protestschrei hören.

Den kann man überlesen - oder beim Wort nehmen:
Bei Gott - jedes Leben zählt. Gleichermaßen.

Burkhard Müller - 8. Juni 2020

Und hier der vollständige Text des Liedes "Zusammenstehen"

Es traf uns wie ein Schlag ins Gesicht
Aus 'nem fiesen dunklen Hinterhalt
Erst einen, dann zwei, dann gleich tausende
Und es ist kein Ende in Sicht
Auch der Kiosk um die Ecke macht die Schotten dicht
Ich weiß, es tut weh, doch anders geht es nicht
Doch, ich glaub', dass sich da gerade was großes tut
Zwischen hier und dem Ende der Welt
Nichts bleibt wie es war, die Weichen werden neu gestellt
Ich bleib' Optimist und ich geb' nicht auf
Am Ende kommt bestimmt etwas Gutes raus
Wir können etwas schaffen, wenn wir als Menschen
Das Große und Ganze sehen
Und in den Kampf gehen, gegen das Virus
Weil wir alle zusammenstehen
Es geht ein Gespenst um die Welt und es ist scheißegal
Ob arm oder reich
Ob schwarz oder weiß
Jedes verlorene Leben ist ein zu hoher Preis
Auch wenn es droht, dass es alles auseinanderreißt
Könnt' es sein, dass es uns alle zusammen schweißt
Ich glaube an das Gute und ich hör' damit nicht auf
Wir können etwas schaffen, wenn wir als Menschen
Das Große und Ganze sehen
Und in den Kampf gehen, gegen das Virus
Weil wir alle zusammenstehen
Es geht ein Gespenst um die Welt und es ist scheißegal
Ob arm oder reich
Ob schwarz oder weiß
Jedes verlorene Leben ist ein zu hoher Preis
Zusammen stehen ...

Samstag, 6. Juni 2020

Das interessiert doch keine Sau

…außer wahrscheinlich die Sau selber. Und der geht es meistens nicht gut. Weil sie nämlich oft genug auf einem harten Betonboden steht und wegen der Metallgitter, zwischen denen sie steht, kaum Platz hat, sich zu bewegen: Die Zuchtsau.


Gestern hätte der Bundesrat darüber entscheiden sollen, welche Regeln es zukünftig für die Haltung von Zuchtsauen gibt. Eine Abstimmung allerdings gab es dann doch nicht, weil der Kompromissvorschlag letztlich nicht mehrheitsfähig gewesen wäre.

Tatsächlich wäre dieser Kompromiss auch kein ganz großer Wurf gewesen, sollten die Stände doch lediglich etwas größer sein als bisher und der Aufenthalt der Säue in diesen Ständen etwas kürzer.

Letztendlich geht es auch bei dieser Diskussion um die Frage, wie wir mit Tieren umgehen, vor allem mit denen, die eben nicht das Glück haben, auf einem Bauernhof zu leben, auf dem sie viel Platz und Auslauffläche haben, also im besten Sinne artgerecht gehalten werden.

Und natürlich geht es vor allem ums Geld. Um unser Geld. Wenn wir nämlich nicht bereit sind, für unser Schnitzel so viel zu bezahlen, um dem Schwein ein halbwegs gutes Leben zu ermöglichen, dann wird es äußerst schwer sein, die z. T. unhaltbaren Zustände in der Massentierhaltung zu verändern.

Ich finde aber, es darf uns nicht egal sein, wie unser Fleisch produziert wird, wenn wir denn schon Fleisch essen wollen. Als Christen müssen wir auch an dieser Stelle Verantwortung für die Natur, für die Schöpfung übernehmen. Nutzen wir doch unsere Macht als Verbraucher und achten ganz bewusst beim nächsten Einkauf darauf, wo und wie unser Fleisch produziert wird. Das Tierwohllabel kann uns dabei helfen und erst Recht der Metzger unseres Vertrauens.

(Holger Höppner, 06.06.20)

P.S.: Morgen ist Sonntag, darum gibt es keine Kurzandacht in diesem Blog. Aber vielleicht sehen wir uns ja im Gottesdienst? Ich freue mich auf Sie!

Freitag, 5. Juni 2020

Trump hält ein Buch hoch ...

Trump hält ein Buch hoch ... das könnte einem ja eigentlich egal sein.
Wenn's nicht ein besonderes Buch wäre, das Buch der Bücher, die Bibel.


"Eine Kriegserklärung", so kommentiert das Johannes Schneider in der ZEIT:
"Donald Trump hält die Bibel hoch, anstatt in ihr zu lesen. So macht es ein Messias, der glaubt, ihre Geschichte fortschreiben zu dürfen. Egal wie."

Für den kurzen Weg zu diesen Phototermin musste eine friedliche Demonstration mal eben mit Gewalt und Tränengas aufgelöst werden.
Egal.
Es gab Proteste der örtlichen Bischöfin, ihre Kirche doch nicht als Kulisse zu missbrauchen.
Egal.
Es gab weltweit Irritation, Entsetzen, Spott - alles egal.

Es ist egal vor allem für die, auf deren Stimmen Trump zielt.
Mit Endzeitstimmung, mit "albernen Inszenierungen",
mit religiösem Pathos sind diese Menschen gut zu erreichen.

Und - sie nennen sich Christen.
Das tue ich ja auch.
Manchmal denke ich: Sollte ich nicht damit aufhören, mich Christ zu nennen?
In diesen Zeiten, angesichts solcher Bilder?
Um jeder Verwechslungsgefahr vorzubeugen?


In dem Buch, das Trump da hochhält, finden sich auch die zehn Gebote.
Das zweite Gebot lautet:  Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen.
Das ist einfach, klar, unmissverständlich.

Und ist das finale Urteil über das, was Donald Trump am Montag inszeniert hat.

Burkhard Müller -  5. Juni 2020

Donnerstag, 4. Juni 2020

Richtig und gut?

Es ist nicht einfach, sie zu finden. Interessant ist ja eher das Spektakuläre, das Dramatische, die Katastrophe. Aber es gibt sie – zum Glück! Die guten Nachrichten. Eine, die in diese Kategorie passt, ist die von Jyoti aus Indien. Ihr Vater muss als Wanderarbeiter sein Geld verdienen, was schwer genug ist. Dann hat er einen Autounfall, kann nicht mehr laufen und dadurch auch nicht mehr arbeiten. Eine Katastrophe für ihn und für seine Familie. Was tut Jyoti? Sie kratzt ihr erspartes Geld zusammen und kauft sich davon ein Fahrrad. Dann lädt sie sich ihren Vater aufs Rad und fährt ihn in zehn Tagen durchs Land nach Hause zu seiner Familie. Insgesamt 1.200 km. 

Was für ein Einsatz. Was für eine schöne Geschichte, die sich schnell herumspricht. Auch der indische Radsportverband hört davon und lädt Jyoti nach Neu-Delhi ein, um an einem Probetraining teilzunehmen. Auch um ihre Schulausbildung will sich der Verband kümmern.

Das Mädchen tut in einer schwierigen Situation das, was ihr richtig erscheint: Den Vater nach Hause zu bringen, in seine vertraute Umgebung, wo er sicherlich schneller und besser gesund wird, als in der Fremde. So wird er hoffentlich schon bald wieder arbeiten können.

Vielleicht war es in dieser Situation leicht, das Richtige zu tun. Das ist ja leider nicht immer so. Manchmal tut man das Richtige, aber gut ist es deswegen trotzdem nicht.

Woran sollen wir uns orientieren, wenn wir uns entscheiden müssen?

Am vergangenen Sonntag haben wir Pfingsten gefeiert, also das Fest des Heiligen Geistes. Ja, damit etwas gut wird, brauchen wir genau ihn: Den Heiligen Geist. Verfügen können wir leider nicht über ihn, aber Gott immer wieder darum bitten, das können wir. Weil wir selber nicht vollkommen sind, brauchen wir Unterstützung. Himmlische Unterstützung.

(Holger Höppner, 04.06.20)

Mittwoch, 3. Juni 2020

Ob es heute wohl mal regnet?

Dürre gehört zu den biblischen Plagen. Und Dürre bedeutet im schlimmsten Fall, dass die Lebensgrundlagen komplett gefährdet sind. Und - auch das lehrt schon die Bibel, dass sich dann Menschengruppen und ganze Völker auf den Weg machen, weg von zu Hause - hin in ein anderes Land. Alles in der Hoffnung, da etwas zum Leben zu finden.

Das klingt alles nicht nur wie eine Geschichte aus uralten Zeiten, sondern zugleich bedrückend aktuell.
Ob es heute wohl regnet? Endlich regnet?


In alten Zeiten hätte man selbstverständlich gebetet, und auch versucht, selbst etwas zu tun.
Also: Mehr Gebete - und Regentänze.
Im letzten Jahr war es ja auch zu heiss, zu trocken, und das Jahr davor auch.
Vor zwei Jahren in einem ungewöhnlichen Beitrag einer Meteorologin des deutschen Wetterdienstes hieß es zum Thema:
"Wieso führen wir nicht einfach einen Regentanz auf, statt uns wieder und wieder darüber zu beschweren, dass es zu trocken ist. Was kann passieren?

Es kann lächerlich aussehen. - Okay, aber wenn man durch YouTube, Facebook und Twitter surft, bekommt man den Eindruck, dass sich an selbstauferlegter Lächerlichkeit schon lange keiner mehr stört. Und soweit bekannt, wurden die Bewegungen beim Regentanz immer nur mündlich von Generation zu Generation weitergegeben, es gibt also kein "richtig" oder "falsch". Es kann trotz Regentanz nicht regnen. - Dann hat man sich immerhin etwas an der frischen Luft bewegt und kann sich selbst sagen, dass man alles versucht hat."
https://www.wetterdienst.de/Deutschlandwetter/Thema_des_Tages/3341/regentanz-oder-wie-man-die-duerre-vertreibt

Zu den religiösen Deutungen von Dürre gehörte ja immer (auch in den Wurzeln des christlichen Glaubens), dass der Mensch mit seinem Verhalten Gott oder die Götter erzürnt habe.
Das klingt archaisch und ein wenig nach Aberglauben - aber dass die Klimaveränderungen und ihre Folgen ursächlich auch mit unserem Verhalten zusammenhängen, gilt mittlerweile als weitgehend unbestritten (nimmt man einmal Donald Trump und seine Geistesverwandten in anderen Teilen der Erde aus einmal aus).

Was tun? Um Einsicht bitten, ja beten.
Und um den Mut, das eigene Verhalten zu ändern.
Ich werde keinen Regentanz einstudieren. Das ist nicht "mein Ding".
Aber mir fallen schon eine ganze Reihe von Dingen ein, die ich anders (sprich: besser) machen kann.

Dir bestimmt auch.

Denk nach, und am Ende wird Dir wenig von dem fehlen, was Du bisher für "Lebensstandard" oder gar "Lebensqualität" gehalten hast.

Burkhard Müller - 3. Juni 2020

Dienstag, 2. Juni 2020

Das Buch der Bücher


Vor einer ganzen Weile ging es im Friedenskirchen-Blog schon einmal um die Bibel (in einem Beitrag von Holger Höppner am 15. April). Ich möchte mal ein bisschen etwas von meiner Ausgabe der Heiligen Schrift erzählen.


Im Haushalt meiner Eltern gab es viele Bücher, allerdings keine Bibel, zumindest habe ich sie nicht gefunden.
Die habe ich mir selbst gekauft, ich war wohl 15 Jahre alt. Das Ganze hatte etwas Heimliches, es hat sich auch irgendwie verboten angefühlt. Ja, ich wusste, dass ich das Grundrecht auf freie Religionsausübung habe. In meinem Fall hieß das: Das Recht, überhaupt eine Religion auszuüben. Begonnen hat das mit mehr oder weniger heimlichen Besuchen in der Jungen Gemeinde, die unser Dorfpfarrer geleitet hat und mit Jugendgottesdiensten in der Zittauer Weberkirche. Irgendwann war klar: ohne nachlesen zu können, worum es da geht, kann ich nicht mitreden. Ich habe mich beim Kauf in einer Zittauer Buchhandlung für einen Klassiker entschieden. Luther, ganz einfach. Dieses Buch symbolisierte auch in gewisser Weise meine Art pubertärer Auflehnung. Klingt nicht so spannend wie Zigaretten, Partys und Alkohol - hat aber meine Eltern damals aber mindestens genauso verstört.
Seither sind ein paar Jahre vergangen und in meinem Leben ist eine Menge passiert. Die Bibel ist mit mir viel rumgekommen und einiges hat Spuren in ihr hinterlassen. Die Karte eines Gemäldes in der Aula meiner Schule zum Beispiel: Paulus in Rom. Außerdem Kärtchen, Markierungen, Erinnerungen. Mitgenommen zu Rüstzeiten mit Andachten, aber auch ganz privat. Es ist meine Reisebibel, kein Buch, das in der Vitrine steht. Sie ist abgenutzt und, nach der letzten großen Neuübersetzung auch nicht mehr ganz aktuell. Aber das soll auch so sein (für ganz Aktuelles gibt es ja das E-Book). Es ist für mich ein Buch, was benutzt werden will, wofür ich mir, auch weil „Corona“ meinen Tagesablauf ergänzt hat, Zeit nehmen kann und möchte.
Am liebsten lese ich die ganzen Kapitel oder Texte, aus denen zu verschiedenen Anlässen einzelne Sprüche herausgepickt werden. Ich versuche dann herauszufinden, in welchem Kontext das Ganze steht, worum es eigentlich geht. Das ist meistens spannend, manchmal schwierig und es kommt auch vor, dass ich mit einem Text gar nichts anfangen kann. Das ist wie im Leben sonst - es ist nicht möglich, immer alles zu verstehen. Wichtig ist, es ist da. Und ich kann entscheiden, wie oft ich rein sehe. Verlorene Zeit finde ich darin jedenfalls nie.

Juliane Schild, Lektorin an der Friedenskirche - 2. Juni 2020

Montag, 1. Juni 2020

Einen Grund zum Feiern

...haben wir heute, denn schließlich ist Geburtstag; wir feiern den Geburtstag der Kirche. Denn das ist es im Prinzip, was wir an Pfingsten begehen. In diesem Jahr allerdings ist die Feier etwas kleiner als sonst, denn noch dürfen wir nicht so, wie wir vielleicht wollten.

„Was will das werden?“ haben damals die Jünger gefragt, als sie traurig und mutlos zusammensaßen, weil Jesus nicht mehr unter ihnen war.

„Was will das werden?“, diese Frage stelle ich mir auch heute, wenn ich mir die Lockerungen ansehe, die derzeit greifen und so manch andere Frage völlig in den Hintergrund drängen. Sicherlich bewegt viele Menschen die Frage, wann man mal wieder ganz entspannt in den Biergarten gehen kann, wie es mit der Fußball-Bundesliga weitergeht und ob wir im Sommer in den Urlaub fahren dürfen? Viele sind einfach genervt und hoffen darauf, dass endlich wieder alles normal wird. Absolut verständlich und zugegeben: Mir geht es oft nicht anders.

Als damals die Jünger, beseelt und gestärkt durch die Kraft des Heiligen Geistes wieder auf die Straße gegangen sind, da haben sie in allen Sprachen von den großen Taten Gottes erzählt. Der hat vor allem die Armen und Schwachen, die Hilflosen und Unterdrückten im Blick. Und von denen, denke ich, gibt es auch bei uns genug. Da sind die Kinder, die seit Wochen vor dem Fernseher hocken und die auf einmal merken, dass Schule irgendwie doch ganz prima sein kann. Da sind die, die nicht wissen, wann und ob sie wieder Geld mit ihrer Arbeit verdienen werden. Da sind die, die sich mit dem Virus dann eben doch angesteckt haben, mit diesem angeblich doch so harmlosen und beherrschbaren Virus, und daran sterben.

Und wenn ich dann in die Welt hinaussehe, sieht es noch weitaus dramatischer aus.

Ja, viele Menschen, die arm und schwach sind, leben woanders als wir und sprechen oft andere Sprachen. Aber der Geist von Pfingsten verbindet uns mit ihnen allen. Der Geist von Pfingsten macht aus Fremden unsere Nächsten. Der Geist von Pfingsten überwindet Fremdheit und ermöglicht Verstehen und Solidarität. Der Geist von Pfingsten lässt uns erkennen, was falsch läuft bei uns und in unserer Welt – damit wir handeln.

(Holger Höppner, 01.06.20)

Samstag, 30. Mai 2020

Engels-Flügel ...


Diese wunderschönen Engels-Flügel waren in dieser Woche über Disteln zu sehen.

Na klar, es sind Wolken. Nur Wolken.
Wahrscheinlich vom Typ "Cirrus uncinus" oder "Cirrus spissatus" -  irgendetwas in höheren Schichten unserer Atmosphäre.

Aber - will ich das eigentlich so genau wissen? Und vor allem- so nüchtern?

Ist es nicht viel schöner, wenn es Engels-Flügel sind und bleiben?

Hinter die Dinge sehen können, und mehr in den Dingen sehen, und mehr verstehen als nur das Offensichtliche, Offenbare, Unüberhörbare - ich glaube, das ist die Kunst.
Musik ist ja rein physikalisch betrachtet ja auch nichts anderes als messbare Schwingungen, aber in der Seele von uns Menschen kann sie so bewegend und berührend sein.

Hinter die Dinge können, sehen, mehr in den Dingen sehen, und mehr verstehen als nur das Offensichtliche, Offenbare, Unüberhörbare - ich glaube, das macht auch unseren christlichen Glauben aus.

Und darum geht es deshalb auch morgen , denn morgen ist ja Pfingsten:
Um den Geist, der uns geschenkt ist und immer neu geschenkt wird.
Dieser Geist, von dem Jesus gesagt hat, dass er der Tröster ist,
und dass er uns in alle Wahrheit führt ... vielleicht mit Engelsflügeln?
Doch, ich glaube: Genau so - mit Engelsflügeln.

Burkhard Müller - 30. Mai 2020

P.S.: Morgen, am Sonntag, gibt es keinen Blog-Beitrag.
Aber dafür gibt es Gottesdienst, z.B. bei uns in Disteln um 11.00 in der Friedenskirche.