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Freitag, 1. Mai 2020

Hau ab!

Seit Wochen werden die Nachrichten von der Corona-Krise beherrscht, so dass man fast den Eindruck haben kann, es gebe nichts anderes mehr. Dass das nicht stimmt, ist eigentlich klar, allerdings gehen im Moment viele andere Themen und Meldungen einfach unter und werden nicht wahrgenommen.

Eine dieser Nachrichten ist die über Patrick Asomugha, Priester einer Gemeinde in Kaiserslautern. Oder richtiger: Ehemaliger Priester dieser Gemeinde, denn Herr Asomugha zieht weg. Nicht etwa, weil er etwas Besseres gefunden hätte, sondern weil er massiv bedroht wurde. Es gab Sachbeschädigungen und sogar Morddrohungen. Und warum? Weil er eine schwarze Hautfarbe hat und darum in den Augen derer, die ihn angegangen sind, in unserem Land nichts zu suchen hat.

Gegen Menschen zu hetzen ist in unserem Land leider nichts Neues. Im Gegenteil. Der Hass und die Gewalt gegen alles, was irgendwie anders ist, wird immer offensiver und lauter. Im Netz, wo man sich anonym verstecken kann, aber auch auf der Straße.

Was geht in den Köpfen solcher Leute vor? Ist es die Unzufriedenheit mit sich selber? Der Frust über das eigene Leben, über die Arbeit, den Nachbarn, das Geld? Sucht man die Schuld für die eigene Situation bei jemand anderem? Häufig wird das wohl so sein. Das ist ja im Zweifelsfall auch die einfachste Lösung, denn dann muss man ja nicht über sich selber nachdenken und versuchen, das Problem in den Griff zu bekommen.

Der Apostel Paulus sagt dazu: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!“ Das ist oftmals leichter gesagt als getan. Aber es hilft vielleicht schon, wenn man sich klar macht, dass andere Menschen nicht unbedingt etwas dafür können, dass ich schlecht gelaunt bin oder mich ärgere. Und eigentlich weiß ich doch auch, dass es mir nicht besser geht, wenn ich über andere schlecht denke oder ihnen aggressiv, möglicherweise sogar mit Gewalt, gegenübertrete. Wie sagt doch der Volksmund? „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“

Es kostet vielleicht manchmal Überwindung, anderen Menschen freundlich zu begegnen, sie meinen Frust nicht spüren zu lassen. Aber die Erfahrung, dass ein Lächeln in der Regel erwidert wird, haben wir alle schon gemacht.

Ob man die Fremdenhasser und Wutbürger, die Fakenews-Verbreiter und Ewig-Gestrigen mit einem Bibelvers überzeugen kann, das weiß ich nicht. Um ehrlich zu sein, habe ich da große Zweifel, aber alle, die guten Willens sind, können auch auf diese Weise dazu beitragen, das Miteinander etwas freundlicher und entspannter zu gestalten.

(Holger Höppner, 01.05.20)

Donnerstag, 30. April 2020

Weihnachten kann einpacken … ein Blog-Beitrag von Juliane Schild

Weihnachten kann einpacken… 

Das war einer der Gedanken, der mir beim letzten Besuch in der sonst fast leeren Friedenskirche, an einem stillen Sonnabendnachmittag, im Angesicht der neuen Osterkerze, kam.

Das ist natürlich ein merkwürdiger Gedanke, allerdings nicht der Verrückteste, der mir in der letzten Zeit gekommen ist.

Ich habe mich zum Beispiel schon gefragt, ob es vielleicht bereits einen „Corona-Untergrund“ gibt, wo Friseurinnen heimlich ihre Kunden besuchen und ganz dezent schick machen oder ob sich in irgendwelchen Kellern oder Höhlen wieder Christen treffen, um im Verborgenen Gottesdienst zu feiern.

Ob ich sicherheitshalber 200 Euro bei mir tragen soll, nur für den Fall, dass ich demnächst, völlig unberechenbar, nicht mehr verhindern kann, jemanden öffentlich zu umarmen. Einfach so. Weil ich das Grüßen aus der Ferne satt habe. Aber Bargeld ist da ja nicht vonnöten, die Polizei nimmt EC-Cash.

Wie wir demnächst wohl Abendmahl feiern werden? Denn die Gewissheit, dass wir das wieder tun werden, lass ich mir doch nicht nehmen. Füllen wir den Traubensaft in Waffelbecher? Das wäre hygi-enisch und nachhaltig, denn eines steht fest – die Müllmengen wegen der sicherlich angebrachten vielfachen Benutzung von Einwegprodukten dürften beachtlich sein.

Ich fühle mich da gar nicht so einsam, ich habe den Eindruck, viele Menschen machen sich Gedanken und wahrscheinlich auch Sorgen, wie wir in einem wie auch immer aussehenden „Danach“ leben und miteinander umgehen werden. Werden wir mehr aufeinander aufpassen oder wird es eine Art „Befreiung der Ellenbogen“ geben und alle versuchen so schnell wie möglich, wieder alles zu erleben? Da ist viel Platz für Hoffnungen aber auch Befürchtungen.

Was hat das alles mit Weihnachten zu tun? Natürlich in dem Sinne erst einmal gar nichts.
Ich hatte eher ein Empfinden von Advent. Eine Woche nach Ostern. Das ist verrückt. Der HERR ist gerade auferstanden und ich warte schon wieder, dass ER kommt. Aber genau so fühlt es sich an. Dieses Sehnen, das Warten, dass es endlich soweit sein wird. Dass wir wieder Gottesdienste feiern. Dass wir uns wiedersehen. Ich kann mich an kein Weihnachten erinnern, auf welches ich mit solcher Vorfreude hingewartet habe. Wenn das kein Advent ist, kann Weihnachten von mir aus einpacken.

Dazu noch ein kleiner Gruß aus der Oberlausitz.
Als Zeichen der Hoffnung dienen dort mancherorts Herrnhuter Sterne. Das finde ich gar nicht verrückt, sondern mindestens genauso schön wie Regenbögen.




© epd-bild / Rainer Oettel     

(Dieser heutige Blog-Beitrag ist von Juliane Schild, eine der Lektorinnen in der Friedenskirche bei uns in Disteln.)

Mittwoch, 29. April 2020

500,- Euro für lau

Na, freuen Sie sich auch schon auf den 500,- Euro Einkaufsgutschein, den der Einzelhandelsverband HDE vom Bund gefordert hat, um die trübe Konsumstimmung in Deutschland aufzuhellen? Eine großartige Idee. Die zwei Tage vorher von einigen Grünen-Politikern geforderten Gutscheine in Höhe von nur 250,- Euro wären mir auch zu wenig gewesen.

Auch beim Autokauf können wir bestimmt schon bald sparen, wenn das vom VW-Chef geforderte Konjunkturprogramm für die Autoindustrie bald umgesetzt wird. Diese und weitere Geschenke, mit denen wir sicherlich in den kommenden Wochen überhäuft werden, können wir dann bei einem opulenten Essen mit reichlich Getränken in unserem Lieblingsrestaurant ausgiebig feiern, denn auch dort soll die Rechnung ja nur noch einen Mehrwertsteuersatz von 7 statt 19 % ausweisen.

Die Corona-Krise hat also auch ihre guten Seiten. Geschenke für alle!

Ich frage mich allerdings, ob die, die diese Forderungen stellen, auch mal darüber nachgedacht haben, wer den ganzen Spaß am Ende bezahlen soll? Ich will überhaupt nicht bezweifeln, dass diese Ideen dazu beitragen sollen, die zur Zeit am Boden liegende Wirtschaft zu unterstützen. Wenn ich aber Tag für Tag in den Medien Informationen darüber geliefert bekomme, wie viele Milliarden (über den Status, dass nur über Millionen gesprochen wird, sind wir ja schon lange hinaus) für alle möglichen Hilfsprogramme in die Hand genommen werden, dann wird mir Angst und Bange. Dass das alles sinnvoll ist, will ich überhaupt nicht bezweifeln, zumal ich in meinem direkten Umfeld hautnah miterleben muss, wie sehr manche Menschen finanziell unter der Krise leiden (von allem anderen einmal abgesehen). Trotzdem stelle ich mir immer häufiger die Frage, wie dieser riesige Berg an Schulden, der jetzt aufgetürmt wird, wieder abgebaut werden soll und wie viele Generationen sich damit werden herumschlagen müssen.

Nicht nur in der Politik, auch in anderen Bereichen, wird seit einigen Tagen von einer „neuen Normalität“ gesprochen. Zumindest in Sachen Wirtschaft scheint sich diese neue Normalität aber nicht von der alten zu unterscheiden. Die Wirtschaft muss wachsen, so das Credo der vergangenen Jahrzehnte – und genauso soll es wohl auch weitergehen.

Wie erfolgreich das sein kann, weiß ich nicht. Aber vielleicht wäre doch gerade jetzt eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken, ob die Maxime eines höher, schneller, weiter die einzige Wahrheit ist, die erstrebenswert ist. Dem Volksmund nach ist alles klar: „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.“

Immer mehr Menschen müssen aber erleben, dass unser Wirtschaftssystem an seine Grenzen stößt und erkennen, dass es so eben nicht weiter gehen kann. Eigentlich kann es darum gar nicht anders sein: Es muss sich dringend etwas ändern. 

Eine gute Richtschnur, nicht nur in diesem Zusammenhang, ist und bleibt die Botschaft der Bibel, wie z. B. in Micha 6,8: „Der HERR hat euch doch längst gesagt, was gut ist! Er fordert von euch Menschen nur eines: Haltet euch an das Recht, begegnet anderen mit Güte, und lebt in Ehrfurcht vor eurem Gott!“

(Holger Höppner, 29.04.20)

Dienstag, 28. April 2020

Ist mir doch scheißegal ...

Corona verändert alles. Selbst den Müll.
In normalen Zeiten findet man auf der Wiese vor unserer Friedenskirche in Disteln so einiges an Abfall: Verpackungen von McDonalds, das eine oder andere kleine Schnapsfläschchen und Zigarettenkippen. Alles achtlos weggeworfen - das meiste aus vorbeifahrenden Autos.
Alles nach dem Motto: "Ist mir doch scheißegal ..."

Neu dazugekommen sind jetzt: Gummihandschuhe und Einwegmasken.
Und nicht nur vor der Friedenskirche.

Da erschien in den letzten Tagen in der Tageszeitung dieses Foto mit der Unterschrift:
"Manche Nutzer des Parkhauses der Rathaus-Galerien werfen Handschuhe und Masken auf den Boden. Dieser Müllhaufen kam bei einer einzigen Reinigungsrunde zusammen."

Welche Gleichgültigkeit, welche Gedankenlosigkeit, welcher Egoismus führt zu solchem Verhalten?
Alles nach dem Motto "Brauch ich nicht mehr, also weg damit, ist mir doch egal ..."

Diese Haltung ruiniert unsere Lebensgrundlage. Im Kleinen wie im Großen.
Und hat auch mit Corona zu tun. Im Beitrag hier im Blog vor einer Woche ging es um ein  "Interview mit dem italienischen Neurobiologen Stefano Mancuso zu der Frage, wer für die Ausbreitung des Virus verantwortlich sei. Mancusos Antwort: Wir selber, bzw. unsere Art zu leben. Durch den rücksichtslosen Raubbau an der Natur, durch die Zerstörung der natürlichen Rückzugsräume der Tiere, hätten wir u. a. dafür gesorgt, dass sich der Übergang von epidemischen Krankheiten vom Tier auf den Menschen in den vergangenen 40 Jahren verdreifacht habe. Die Menschen hätten schlichtweg nicht verstanden, dass sie Teil der Natur seien und nicht etwa davon völlig unabhängig oder gar über dem System stünden. Für Mancuso ist klar: Wir müssen uns ändern. Und zwar sofort!" (Blog Friedenskirche-Disteln 21.04.2020)
Es geht im Kleinen wie im Großen um eins:
Um Umkehr von einem falschen Weg -  Umkehr von einem Weg, der in's Verderben führt.
Im Christentum heißt das "Buße tun".
Ein altes, angestaubtes Wort - aber voller tiefer Wahrheit.


Und sonst - ohne Umkehr, was geschieht dann?
Vielleicht das, was ein etwas makabrer Witz so auf den Punkt bringt, dass mir beim Hören das Lachen im Halse stecken blieb:

   Treffen sich zwei Planeten:
"Du siehst ja Scheiße aus ..."
    "Ja, ich hab Homo Sapiens!"

"Hier, nimm mal Corona forte!"
    "Danke."
"Gute Besserung!"


Ist das zynisch? Ja, ist es. Aber viel zynischer ist es, gedankenlos weiterzumachen wie bisher.

Burkhard Müller - 28. April 2020





Montag, 27. April 2020

Der liebe Gott sieht alles

Welches Spiel, würden Sie sagen, gehört wohl zu den Lieblingsspielen von Kindern? Nach meiner Beobachtung steht das Verstecken auf der Liste der Lieblingsspiele ganz weit oben. Kinder fangen schon früh damit an, sich vor ihren Eltern zu verstecken und sind dann geradezu begeistert, wenn Mama oder Papa sie gefunden haben.

Natürlich ist das Ganze ein Spiel, denn was wäre wohl los, wenn die Eltern das Kind eben nicht wiederfinden würden (oder wollten)? Die Kinder vertrauen natürlich darauf, dass sie gefunden werden und genau darum macht das Spiel ja auch so viel Spaß, weil die Kinder wissen: Auf Mama und Papa kann ich mich verlassen.

Das Spiel Verstecken ist schon uralt. Es ist sogar so alt, dass es schon in einer der ersten Erzählungen der Bibel vorkommt. Haben Sie eine Idee?



Richtig: In der Geschichte von Adam und Eva. Im Unterschied zum Spiel unserer Kinder geht es in der biblischen Geschichte allerdings nicht ums Vertrauen, sondern um ein gebrochenes Vertrauen. Sie erinnern sich: Adam und Eva lebten im Garten Eden und hatten alles, was sie brauchten. Gott sorgte für ein geradezu paradiesisches Leben. Alles durften die beiden im Garten tun, nur von einem Baum durften sie nicht essen. Sie taten es trotzdem. Typisch Mensch, kann man sagen. Sie wissen natürlich, dass sie etwas Verbotenes getan hatten und weil sie nun befürchteten, dass Gott mitbekommen hatte, was sie getan hatten, bekamen sie es mit der Angst zu tun und wollten Gott nicht begegnen.

In der Losung für den heutigen Tag heißt es dann im 1. Mosebuch: „Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des Herrn.“
Das schlechte Gewissen, das die beiden hatten, war durchaus berechtigt, denn es kam, wie es kommen musste: Gott stellte die beiden zur Rede, sie versuchten sich herauszureden, und am Ende folgte der Rausschmiss aus dem Paradies und damit aus der unmittelbaren Gemeinschaft mit Gott. Seither muss sich der Mensch sein Brot im Schweiße seines Angesichts verdienen.

Selbst schuld, könnte man sagen. Auf die Idee, dass Gott die Sache mit der Frucht nicht entgehen würde, hätten die beiden wohl kommen können und müssen. Wie hat doch meine Oma immer gesagt: „Der liebe Gott sieht alles!“

Gelernt haben wir Menschen aus dieser Geschichte aber leider nicht. Gott bietet uns an, ein gutes Leben in seiner guten Schöpfung leben zu dürfen, aber wir ignorieren ihn und seinen Willen. Wir wollen nichts mit ihm zu tun haben, verstecken uns oder tun schlimmstenfalls so, als ob es ihn gar nicht gäbe. Manchmal meldet sich das schlechte Gewissen, aber oft genug finden wir eine mehr oder weniger plausible Ausrede – und machen weiter wie bisher.

Ich weiß, dass Gott will, dass wir ein gutes und sinnvolles Leben führen. Weil Gott schon zu Beginn wusste, dass der Mensch so ist, wie er ist, hat er uns gute Wegweiser an die Hand gegeben, an denen wir uns orientieren können. Denken wir z. B. an die 10 Gebote. Dass wir uns daran, wie an so viele andere Ratschläge, nicht gehalten haben, ist leider eine Tatsache. Ein Blick in unsere Welt zeigt uns täglich, wozu das geführt hat.

Die Menschen haben sich im Laufe der Menschheitsgeschichte immer weiter von Gott entfernt. Unumkehrbar ist das aber keineswegs. Im 1. Johannesbrief schreibt der Apostel im 1. Kapitel: „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, dann betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“

Erkennen, was ich falsch mache und daraus dann die entsprechenden Schlüsse ziehen, mein Leben ändern und im besten Falle ein gottgefälliges Leben führen, dann wird mein Leben neu. Wenn immer mehr Menschen so denken und handeln, dann gibt es auch die berechtigte Hoffnung darauf, dass auch diese Welt zu einer besseren wird.

(Holger Höppner, 27.04.20)

Sonntag, 26. April 2020

Eine schöne Entdeckung

Die Entdeckung von Menschlichkeit, die gehört zu den schönen Erfahrungen, die man jetzt machen kann: Da gibt es so viele Menschen, die anderen ihre Hilfe anbieten z.B. bei Erledigungen und Einkäufen - über einen Aushang im Hausflur, über die Kirchengemeinde oder ganz direkt und persönlich.
Die Hilfsangebote übersteigen die Nachfrage deutlich - das ist ein erfreuliches "Ungleichgewicht".

Und es gibt so schöne Gesten der Verbundenheit.
Da sind die Regenbogenbilder in den Fenstern, von Kindern gemalt.
Eine wunderbare Geste der Verbundenheit ist auch dieser kleine Baum vor dem Schloss Herten, der zum "Wunsch- und Gabenbaum" erklärt worden ist. Und Menschen hängen etwas in diesen Baum, im Vertrauen darauf, dass es dort an der richtigen Stelle und gut aufgehoben ist.

"Ich kann Dir etwas wünschen" und "Ich kann Dir etwas geben",
diese beiden Gedanken stehen dahinter.

Vielleicht auch: "Ich kann und darf mir etwas wünschen",
und "Ich darf etwas nehmen, einfach mir schenken lassen".

Geben und nehmen, bitten und wünschen, danken, weitergeben ...

Ein Wort aus der Bergpredigt Jesu fällt mir ein:

"Bittet, so wird euch gegeben,
suchet, so werdet ihr finden;
klopfet an, so wird euch aufgetan.
Denn wer da bittet, der empfängt;
und wer da sucht, der findet;
und wer da anklopft, dem wird aufgetan."

(Matthäusevangelium Kapitel 7, Vers 7 und 8)

Das können Menschen untereinander erleben - und das können sie erleben, wo sie sich auf den Weg machen zur Entdeckung der Menschlichkeit.
Die Menschlichkeit von Menschen - und die Menschlichkeit unseres Gottes.

Burkhard Müller  - 26. April 2020



Hier eine  Karte mit einem kleinen roten Punkt:, damit Sie den Baum am Schloss Herten finden und Ihre eigenen Entdeckungen machen können -






Samstag, 25. April 2020

Helden des Alltags

In Zeitungen und Illustrierten, im Radio und im Fernsehen wird fast täglich über sie berichtet: Die Helden des Alltags. Mitarbeitende im Gesundheitswesen, in der Abfallwirtschaft, bei Polizei und Feuerwehr, in den Bereichen der Versorgung, in den Kindergärten und Schulen und in noch vielen weiteren Bereichen werden zur Zeit in besonderer Weise wahrgenommen und gewürdigt. Das ist gut und richtig so, denn ohne diese Menschen würde das öffentliche Leben zusammenbrechen und unsere Versorgung nicht mehr möglich sein. Ein ausdrückliches Dankeschön darum auch von meiner Seite!

Neben diesen Helden des Alltags, die zur Zeit im Blickpunkt stehen, gibt es aber auch ganz viele Menschen und Berufsgruppen, die vielleicht auch gerne Helden wären oder die zumindest gerne wahrgenommen werden würden, denen diese Aufmerksamkeit aber nicht oder bestenfalls am Rande zukommt: Der Kneipenwirt von nebenan, der seinen Laden nicht wiedereröffnen darf, die Tochter, die sich alleine um die Versorgung und um die Pflege ihrer alten Eltern kümmern muss, der Reisebüroinhaber, der viel Arbeit hat, um die ganzen Stornierungen zu bearbeiten, aber damit keinen einzigen Euro verdient, der Taxifahrer, der in seinem Auto auf die ausbleibenden Kunden wartet und noch so viele andere mehr.

Ob diese Menschen nun wahrgenommen werden oder nicht, sie alle, wir alle, möchten wissen, wie es weitergehen wird. Natürlich!

Für uns als Christen ist es gut, dass wir wissen, worauf wir hoffen können – und zwar völlig unabhängig von der jeweiligen Situation. Auf Gott können wir hoffen; auf Gott, der ein guter Hirte ist, wie er z. B. im Psalm 23 beschrieben wird. (Sie wissen schon: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. …) Im neuen Testament ist es Jesus, der dieser gute Hirte ist. Von ihm wissen wir: Er geht allen Menschen nach, lässt niemanden im Stich. Weder die, die in der Öffentlichkeit stehen, noch die, die ansonsten kaum wahrgenommen werden. Niemanden überlässt er sich selbst. Und darüber hinaus fordert er auch uns dazu auf, aufeinander Acht zu geben und niemanden zu vergessen.

Jesus sagt: „Wer mir nachfolgt, wird das Licht des Lebens haben.“ Eine wunderbare Verheißung, wie ich finde. Folgen wir ihm also nach. Versuchen wir, jeden Tag auf’s Neue, seinem Vorbild im Umgang mit den Menschen nachzueifern.

(Holger Höppner, 25.04.20)

Freitag, 24. April 2020

Gedanken unter einem blauen Himmel

Wie blau ist der Himmel in diesen Tagen!
So streifenfrei.
Das Wetter - einfach wunderbar.
Und die Luft - von China bis Deutschland  - so sauber und gut wie lange nicht mehr.


Heute ist ja Freitag.
In "normalen" Zeiten hätte es heute wieder große Demonstrationen gegeben von "Fridays for future".
In normalen Zeiten - Corona verdrängt so viel an den Rand.

Die Klimaveränderung und die nächste ja gerade schon beginnende Trockenheit in unserm Land gehört auch dazu.
Trockenheit auf den Feldern und im Garten.
Das alles ist kaum ein Thema jetzt.
Alles wegen Corona.



Greta Thunberg sagte vergangene Woche in einem Interview mit dem Magazin "New Scientist":
"Im Gegensatz zur Corona-Krise können wir beim Klimawandel nicht darauf hoffen, dass er vorbeigeht."




Und Annette Kurschus, die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, sagt:

"Die Klimakrise geht auch in diesen Tagen weiter.
Sie ist langfristig die wohl größte Gefahr für das Leben auf unserem Planeten, für uns Menschen. Längst wird Kapital daraus geschlagen, dass die Klimafrage in den Hintergrund gerückt ist.
Die Viruskrise zeigt: Politik, Gesellschaft und unzählige Einzelne sind bereit, schwere Wege auf sich zu nehmen und eigenes Verhalten zu ändern,wenn es um das Leben anderer geht.
Solch entschiedenes und verantwortungsvolles Handelnfür das große Ganze braucht es auch in der Klimakrise - in Zukunft und schon jetzt."






Ja wir haben unser Leben schon sehr geändert in den letzten Wochen.
Vielleicht haben wir ja auch ein anderes Leben als zuvor eingeübt:
Wir haben weniger gekauft und konsumiert - weil doch so vieles geschlossen war.
Es gab keinen Wochenendtrip mehr nach "Malle" - aber dafür haben wir manches ganz in der Nähe (!) mit dem Fahrrad (!!) entdeckt.

Bewusster - nachhaltiger - behutsamer - verantwortlicher leben. Das haben wir geübt.
Schaffen wir das wohl auf Dauer?


Wenn das ein Teil der "neuen Normalität" wird und bleibt, dann hätte das doch seinen Wert.
Weil es ein konkreter Beitrag wäre für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung - und auch dafür möchten wir als Friedenskirche Disteln stehen.


Burkhard Müller - 24. April 2020





Donnerstag, 23. April 2020

Ein kleiner Hoffnungsfunke?

In der vergangenen Woche haben Sie wahrscheinlich, wie viele andere Menschen in Deutschland auch, auf gute Nachrichten aus Berlin gewartet. Sie haben gehofft, dass unser Leben möglichst schnell wieder in seinen gewohnten Bahnen verlaufen würde. Diese Hoffnung wurde enttäuscht. Sicherlich, es gibt seit Beginn der Woche erste Lockerungen, aber der Weg zurück zur Normalität wird wohl noch ein sehr langer sein.

Gestern Mittag wurde in den Nachrichten verbreitet, dass bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das Corona-Virus nun auch in Deutschland einer Firma die Genehmigung erteilt wurde, einen solchen klinisch zu testen. Weltweit die vierte genehmigte Prüfung am Menschen. Das heißt natürlich noch nicht, dass damit ein Durchbruch erfolgt ist, aber es ist zumindest so etwas wie ein kleines Licht am Ende des Tunnels, ein kleiner Hoffnungsfunke. Mehr nicht, aber auch nicht weniger.

Erst einmal heißt es aber weiter: Abwarten. Für diejenigen von uns, die sich trotz aller Einschränkungen draußen frei bewegen dürfen, ist die Situation nicht besonders toll, aber irgendwie erträglich. Aber was ist eigentlich mit den vielen Menschen in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen? Die sind ja zur Zeit geradezu eingesperrt. Was ist mit denen, die einen Verstorbenen auf ihrem letzten Weg begleiten möchten, das aber nicht dürfen? Das und so vieles mehr, hätte sich doch vor 2 Monaten noch niemand von uns vorstellen können.

Was uns in diesen Tagen Kraft und Mut geben kann, ist das Gebet. Das Gebet für uns selber, für unsere Angehörigen, für Menschen, denen jede Perspektive fehlt, für unsere Welt.

Es kommt dabei überhaupt nicht darauf an, in wohlfeilen und druckreifen Worten den Kontakt zu unserem Gott zu suchen. Gott versteht uns und unsere Sorgen, auch wenn wir nur noch stammeln können, ja selbst, wenn uns die Worte fehlen.

Und wenn uns überhaupt nichts einfällt, dann finden wir Hilfe z. B. in den Psalmen des Alten Testaments und vor allem in dem Gebet, das von Jesus selbst stammt, im Vater Unser.

Versuchen Sie es doch einfach mal!

(Holger Höppner, 23.04.20)

Mittwoch, 22. April 2020

Mit Maske - von Angesicht zu Angesicht ?


So sah es eben auf meinem Schreibtisch aus, als ich mich hingesetzt habe, um einen Beitrag für unseren Blog hier zu schreiben:
Bibel und Gesangbuch - das gehört seit jeher auf einen Pfarrer-Schreibtisch.
Na gut, eine Computertastatur mit großer Selbstverständlichkeit auch - seit Jahren.
Neu ist die Maske.  Neu und ungewohnt.

Schon so manche Beerdigung gab es schon mit minimal wenigen Angehörigen,
aber jetzt habe ich eine erlebt - mit Sargträgern mit Masken.
(Die Farbe dürfen Sie erraten .... ja, Sie haben richtig geraten!)

Wer im Moment in der Woche hier zur Friedenskirche kommt und am Büroeingang schellt, will in der Regel:
Eine Maske.

Das ist neu. Ungewohnt.
Das ist die "neue Normalität". So heißt das.

Und das wird so bleiben, in diesem Jahr bestimmt, und wie weit in's nächste Jahr hinein oder darüber hinaus, das steht in den Sternen.

Ungewohnt ist es für mich, Menschen mit Maske zu begegnen.
Und ich muss mich noch dran gewöhnen, nicht mehr viel vom Gesicht meines Gegenübers zu sehen außer den Augen.
Es ist noch ungewohnt, allein in den Augen lesen zu müssen, wie's dem anderen wohl gerade geht ...
Angst kann ich schon ganz gut erkennen - die sieht man ja auch nicht ganz selten in diesen Tagen.
Zorn auch.
Halbierte Mimik, vergrößerter Abstand - und wenn ich dann doch Fröhlichkeit entdecken kann und Freundlichkeit und Zuwendung, dann freut es mich doppelt.

"Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht.
jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin."

Da steht in der Bibel, in einem der berühmtesten Texte, im 1. Korintherbrief im 13. Kapitel, Vers 12.
Das ist ein schönes Kapitel, das neutestamentliche Hohelied der Liebe.
Echt lesenswert.
Weil's um die Liebe geht, die bleibt. Trotz Maske.
Zusammen mit Glauben und Hoffen. Trotz Maske.

Burkhard Müller  -  22. April 2020