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Dienstag, 21. April 2020

"Es ist ein bisschen wie mit der Mafia"

Zu der Frage, woher das Corona-Virus kommt, gibt es eine wahre Fülle von Erklärungsversuchen und – natürlich – auch die abstrusesten Verschwörungstheorien. Das Internet ist voll von solchen Ideen und so manche These lässt mich arg am Geisteszustand der Verfasser zweifeln.

Am vergangenen Wochenende gab es in unserer Tageszeitung ein sehr interessantes Interview mit dem italienischen Neurobiologen Stefano Mancuso zu der Frage, wer für die Ausbreitung des Virus verantwortlich sei. Mancusos Antwort: Wir selber, bzw. unsere Art zu leben. Durch den rücksichtslosen Raubbau an der Natur, durch die Zerstörung der natürlichen Rückzugsräume der Tiere, hätten wir u. a. dafür gesorgt, dass sich der Übergang von epidemischen Krankheiten vom Tier auf den Menschen in den vergangenen 40 Jahren verdreifacht habe. Die Menschen hätten schlichtweg nicht verstanden, dass sie Teil der Natur seien und nicht etwa davon völlig unabhängig oder gar über dem System stünden.

Für Mancuso ist klar: Wir müssen uns ändern. Und zwar sofort! 



Von biblischen Vorstellungen und von Gott ist in dem Interview nicht die Rede. Letztlich ist aber der Gedanke, der hinter den Thesen des Wissenschaftlers steht, durchaus biblisch: Gott hat diese Erde geschaffen, als großes Ganzes. Auch wir Menschen sind von Gott geschaffen und haben außerdem den Auftrag erhalten, diese Erde zu bebauen und zu bewahren. Mit dem Bebauen hat es bisher prima geklappt, am Bewahren müssen wir noch hart arbeiten!

Mancuso sieht in der gegenwärtigen Pandemie einen Wink mit dem Zaunpfahl, nach dem Motto: Macht was! Bringt die Natur wieder ins Gleichgewicht!

Hoffentlich verstehen wir diesen Wink. Hoffentlich bringt uns die derzeitige Krise dazu, ernsthaft über unseren Lebensstil nachzudenken und umzusteuern. Ich bin mir sicher: Das geht. Mit gutem Willen und wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt. Wahrscheinlich werden wir den Garten Eden nicht wiederherstellen können, aber ein Schritt in diese Richtung wäre doch auch schon was.

Hoffen wir, dass es nicht so weit kommt, wie Mancuso droht: „Es ist ein bisschen wie mit der Mafia. Beim ersten Mal warnt sie dich und macht ein bisschen was kaputt. Beim nächsten Mal legt sie eine Bombe und dann bringt sie dich um.“ Das kann doch niemand wollen!

(Das komplette Interview ist zu lesen in der Ausgabe der "Hertener Allgemeine" vom 18.04.20)

(Holger Höppner, 21.04.20)

Montag, 20. April 2020

Tage, die verschwimmen ...

 

Damit das klar ist,
schreib ich's
am besten mal auf:

  • Gestern war Sonntag.

  • Ende des Wochenendes.

  • und ja auch Ende der Osterferien.


Manchmal muss ich in diesen Tagen und Wochen in den Kalender schauen, um zu wissen, was für einen Wochentag wir gerade haben.
Ich bin sozusagen aus dem Rhythmus. Irgendwie aus dem Takt
Aus dem Wochenrhythmus, aus dem Rhythmus meines sonstigen, meines "normalen" Lebens.

Wissen Sie eigentlich noch genau, wann es angefangen hat - mit all den Einschränkungen und Maßnahmen, die unser Leben so sehr verändert haben?
So ganz lange ist das noch gar nicht her - und fühlt sich dennoch manchmal an wie eine kleine Ewigkeit.
Und die Tage, sie verschwimmen ...

Mehr Zeit als sonst habe ich.
Zeit auch, um zu merken und zu spüren, was mir alles fehlt:
Die Kinder, die Enkel, ein Besuch bei unserer alten Mutter,
Menschen überhaupt.

Viel zu viele Kontakte nur aus der Distanz.
Viel zu viel Distanz.

Ich spüre Sehnsucht, mehr als eine Sehnsucht:
Sehnsucht nach Menschen, Sehnsucht nach "Normalität" - gibt's die überhaupt?

Gestern war Sonntag, sagt der Kalender.
Und ich habe Sehnsucht nach einem "richtigen" Sonntag - und nach einem gemeinsamen Gottesdienst, nach einem "richtigen" Gottesdienst:
Miteinander, live, in Echtzeit.
Mit Menschen nicht vor Kameras und Bildschirmen,
sondern von Angesicht zu Angesicht.

Wie geht es wohl weiter?
In der Bundesliga spricht man ja von "Geisterspielen" für die nächsten Woche, wenn nicht Monate.


Und wie lange gibt's noch höchstens Videoandachten und Fernsehgottesdienste,
und das alles vor gähnend leeren Reihen?
Ein bißchen fühlt das sich an wie ... ja, wie "Geister-Gottesdienste" ...

Beides ist merkwürdig, beides geht auf Dauer nicht gut - und tut wohl auch nicht gut.


Was geht, ist in Kontakt bleiben, so gut es geht.
Miteinander - und mit unserem Gott.

Hier ist dazu ein Gebet, das ich für mich passend finde:


Du Gott des Lebens.
Lass das österliche Licht erstrahlen!
Wir bitten dich.
Breite deinen hellen Schein aus,
damit die Kranken Heilung finden,
die Sterbenden getrost gehen können,
die Trauernden Hoffnung haben.

Breite deinen hellen Schein aus,
damit deine Kirche gesehen wird,
damit sich der Glaube ausbreitet,
damit wir mutige und glaubwürdige Zeugen sind.
Voller Vertrauen rufen wir:
Halleluja!

Du Gott des Lebens.
Noch sind wir in Starre gefangen,
aber du hast die Tore zum neuen Himmel weit geöffnet.
Nimm uns und alle, die zu uns gehören mit
durch deinen Sohn, den Auferstandenen.
Durch ihn loben wir dich und rufen:
Halleluja!
Du Gott des Lebens.

Amen.


Burkhard Müller 20. April 2020


Sonntag, 19. April 2020

Wieder mal im Stich gelassen?

Bei der Pressekonferenz der Bundesregierung am vergangenen Mittwoch sprach unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel von einem „zerbrechlichen Zwischenerfolg“. Damit meinte sie die bisher erreichten Erfolge bei der Bekämpfung der Weiterverbreitung des Corona-Virus. Und eben weil dieser Erfolg noch so zerbrechlich ist, bleiben die Kontaktverbote weiterhin bestehen, auch wenn erste Maßnahmen, deren Logik sich mir nicht immer erschließt, auf dem Rückweg zur Normalität ab morgen greifen sollen. Kirchlicherseits stellt sich nach wie vor die Frage: „Wie geht es weiter mit Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen?“ Unsere Landeskirche stellt in Aussicht, dazu in der kommenden Woche Antworten zu liefern.

Viele gläubige Menschen haben in der derzeitigen Situation das Gefühl, Gott habe sie, habe die Welt, im Stich gelassen. Er scheine ihre Not nicht zu sehen und scheine blind und taub für ihre Sorgen zu sein.

Gäbe es heute einen Gottesdienst, dann stünde genau dieses Gefühl im Mittelpunkt der Predigt: Israel war (wieder einmal) vom Nachbarvolk der Babylonier überfallen worden und vor allem die Menschen der Oberschicht waren ins Exil deportiert worden. Diese Menschen fühlten sich aussichts- und hoffnungslos – wie so häufig in der Geschichte des Volkes Israel.
In dieser Situation machte der Prophet Jesaja ihnen Mut und sagte u. a.: „Aber alle, die ihre Hoffnung auf den HERRN setzen, bekommen neue Kraft. Sie sind wie Adler, denen mächtige Schwingen wachsen. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und sind nicht erschöpft.“ (Jesaja 40,31)

Natürlich kann man die Notlage des Volkes Israel nicht vergleichen mit unserer derzeitigen Situation, aber eines zumindest haben sie gemeinsam: Manchmal mag es lange dauern, aber jede Krise geht irgendwann vorbei. Wichtig ist darum, auf das zu schauen, was uns Kraft und Hoffnung geben kann. Und genau dazu ermuntert uns Jesaja. Er macht uns klar, dass es keinen Ort und keine Zeit gibt, wo Gott nicht ist. Zwar erspart er uns nicht so manch bittere Erfahrung, aber er lässt uns nicht im Stich.

Es ist inzwischen gute 5 Wochen her, seit das Virus das öffentliche Leben nahezu lahm gelegt hat. Damals haben wir uns gefragt, wie das alles werden soll. Ich bin überrascht, wenn ich sehe, welch ungeheure Kreativität seither entwickelt worden ist, der ungewohnten Situation und den damit verbundenen Einschränkungen zu begegnen. Nein, es ist noch lange nicht alles gut, aber das war es doch eigentlich, vor allem, wenn ich auf die Welt blicke, noch nie. Es gab und es gibt aber genug Gründe, hoffnungsvoll zu bleiben und fest darauf zu vertrauen: „Aber alle, die ihre Hoffnung auf den HERRN setzen, bekommen neue Kraft. Sie sind wie Adler, denen mächtige Schwingen wachsen. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und sind nicht erschöpft.“

Ich habe ein schönes Gebet gefunden, in Anlehnung an Psalm 116, das ich Ihnen gerne weitergebe:
Gott, es ist uns lieb, dass du unsere Stimmen und unser Flehen hörst.
Du neigst uns dein Ohr zu, darum rufen wir zu dir, unser Leben lang.
Zu dir rufen in diesen Tagen die Kleinen, die Kinder, denen vieles fehlt, Schule und Kita, Möglichkeit zum Spielen draußen, ihre Großeltern.
Wir bitten dich besonders für die Kinder und Jugendlichen, die in schwierigen Verhältnissen leben müssen, die statt Unterstützung und Liebe Vernachlässigung und Gewalt erfahren.
Wir bitten dich für die Kinder und Jugendlichen in den Slums und den Lagern, für die vielen, um die sich keiner sorgt und kümmert, für ihren Jammer und ihre Not.
Zu dir rufen in diesem Tagen die Großen, die Erwachsenen, auf denen Last und Verantwortung ruht, die stark für andere sein müssen.
Wir bitten dich für die Menschen in den Behörden und Regierungen, die Entscheidungen treffen und Maßnahmen anordnen müssen; für alle, die für die Kranken da sind und sich um die Schwachen kümmern.
Sie sind nicht allein. Du behütest die Unmündigen, Gott, und hilfst denen, die schwach sind und du bist für die da, die es dir nachtun.
Zu dir rufen in diesen Tagen die Alten, die zur Einsamkeit gezwungen sind, denen Besuche und Nähe fehlen.
Wir bitten dich besonders für die, die nicht mehr verstehen können, was gerade geschieht, für die Demenzkranken und für die Sterbenden.
Errette du ihre Seelen vom Tode, ihre Augen von den Tränen, ihren Fuß vom Gleiten. Umhülle du sie mit deiner Liebe.
Gott, es ist uns lieb, dass du unsere Stimmen und unser Flehen hörst.
Du neigst uns dein Ohr zu, darum rufen wir zu dir, unser Leben lang.
Wir werden wieder wandeln im Land der Lebendigen. Lass uns darauf vertrauen. Amen.

(Holger Höppner, 19.04.20)

Samstag, 18. April 2020

Morgen räume ich Ostern auf ... ein Blogbeitrag von Juliane Schild


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Morgen räume ich Ostern auf.    
Also die Häschen, Küken und Eier.
Soviel Dekorationsmaterial, was ich überraschenderweise im Keller gefunden habe.
Eigentlich brauche ich das nicht.
Denn eigentlich bin ich Ostern ja gar nicht hier.

Eigentlich, ich verspreche, dieses Krisenwort kommt jetzt nicht mehr vor, verbringe ich Ostern in der Oberlausitz. Dass ist die Gegend an der B96, wo, wie Silbermond singt, die Hoffnung am Gartenzaun hängt und kaum ein Mensch je vorbeikommt. Wo zu Ostern viele Autos mit Kennzeichen aus der ganzen Republik unterwegs sind, deren zweite Buchstabenkombination immer ZI lautet.
So erkennen wir uns. Wir Ausgewanderten, die über Ostern zu Besuch bei den Eltern, Großeltern, alten Freunden aus Kinder- und Jugendtagen sind. In der Oberlausitz, wo einem alten Brauch folgend, festlich geschmückte Reiter die Aussaat auf den Feldern segnen, wo in der Gegend um Bautzen nach sorbischer Tradition die schönsten Ostereier verziert werden.

Dieses Ostern war anders. Für alle.
Ich hatte den Eindruck, dass selbst Menschen, welche sonst nicht in den Gottesdienst gehen, die geschlossenen Kirchen als bedrückend empfinden. Mir fehlten die Gemeinschaft, aber auch das Erklären. Ich brauche Ostern Erklärung, Vergewisserung und Zusagen, gern durch fachkundiges Bodenpersonal Gottes, weil ich es selbst nun mal schwer fassen kann, was Ostern bedeutet. Bei jeder Osternacht zur frühen Morgenstunde stehe ich da und frage mich, noch viel stärker als schon beim „normalen“ Abendmahl „Wirklich? Für mich, auch für mich ist das alles geschehen?!“

Also musste ich mich in diesem Jahr, wie alle anderen, auch ein bisschen selbst um Ostern kümmern. Dabei ging es mir wie Weihnachten. Tatsächlich. Auch hier spüre ich: Das kann ich mir nicht selbst bescheren. Das kann ich nur annehmen. Und zweitens: Ostern kann jeden Tag passieren. Kann ein Aufwachen, ein Aufhören, ein Anderssehen sein. 

Ein Gedicht in meiner Küche hat seit vielen Jahren jede saisonale Dekorationsbewegung überstanden, ich möchte es sehr gern teilen. 
Weil es mir dabei hilft, Ostern nicht wegzuräumen.
Nur die Häschen, Küken und Eier.

AUFERSTEHUNG  - Tina Wilms

 

So viele Träume begraben
und Hoffnungen zu den Akten gelegt.

   So viele Wagnisse ausgelassen
   und Worte zu sagen versäumt.

So oft dir nicht vertraut
und dem Himmel die Tür gewiesen.

  Verschlossen in dunklen Kammern
   liegt das, was in mir gestorben ist.

Gott, ich brauche den Engel,   
der Steine beiseitewälzt.

   Der mich bei meinem Namen ruft
   und mein Leben ins Licht bringt.


(Dieser heutige Blog-Beitrag ist von Juliane Schild, Lektorin in der Friedenskirche bei uns in Disteln.)

18. April 2020

Freitag, 17. April 2020

Wie Kinder (auch) mit der Krise umgehen

Und, waren Sie gestern enttäuscht über die Lockerungen, die die Bundesregierung in Absprache mit den Länderchefs beschlossen haben? Immerhin dürfen jetzt viele Geschäfte wieder aufmachen und auch die Schulen nehmen so nach und nach den Betrieb wieder auf. Aber für viele Bereiche heißt es weiterhin, dass wir mit mehr oder weniger starken Einschränkungen leben müssen. Auch Gottesdienste sind weiterhin nicht möglich, wobei auch hier über Lösungsmöglichkeiten nachgedacht wird.

Wenn ich mit Menschen über die derzeitige Situation spreche, dann höre ich häufig: „Es geht mir auf die Nerven, aber man kann eben nichts machen.“ Genauso wird oft gesagt: „Glücklicherweise sind wir nicht eingesperrt. Wir dürfen ja wenigstens an die frische Luft.“
Ja, es ist nach wie vor eine irgendwie „unwirkliche“ Situation, in der wir alle nur hoffen können, dass es wieder besser wird.

Auch Kinder erleben in dieser Zeit, dass alles anders ist. Sie gehen, je nach Alter, sehr unterschiedlich mit den geltenden Einschränkungen um. In der gestrigen Tageszeitung, sie haben es vielleicht gesehen und gelesen, gab es eine ganze Seite mit Bildern, auf denen von Kindern gemalte Regenbögen zu sehen waren. Eine ganze Seite voller Hoffnungsbilder mit der Botschaft: „Alles wird gut!“

Mir haben diese Bilder gut gefallen, zumal sie mich an eine Geschichte aus dem Alten Testament erinnern, an die Geschichte von der Arche Noah nämlich. Auch dort musste Noah mit seiner Familie eine lange und schwere Zeit, gewissermaßen in Isolation, erleben, aber danach ging es langsam wieder weiter. Und als Zeichen dafür, dass es wieder weiter gehen würde, stellte Gott einen Regenbogen in den Himmel und versprach: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ (nachzulesen im 1. Mose 7 ff.)

Fassen wir uns also in Geduld und leben wir auch in dieser Zeit mit dem Vertrauen auf unseren Gott, der unsere Hoffnung ist!

Wenn Sie übrigens in der nächsten Zeit unterwegs sind, dann suchen Sie doch mal nach den Hoffnungsbildern der Kinder. Sie finden Sie in vielen Fenstern überall in unserer Stadt.

(Holger Höppner, 17.04.20)

Donnerstag, 16. April 2020

Einfach darüber hinweggehen - oder einfach überfahren?



Vor 4 Tagen, am Ostersonntag morgens, da habe ich auf einer Straße hier in Disteln dies hier gefunden. Jede und jeder, der vorbeikommt, sollte es sehen und wissen:
Der Herr ist auferstanden!

Seit Ostersonntag ist mancher über diese mit Kreide geschriebene Botschaft einfach hinweggegangen - oder hat sie sogar überfahren.
Wohl nicht mit böser Absicht, aber es passiert halt:
Dass wir darüber hinweggehen,
es schnell überfahren,
das, was doch das Wichtigste sein will.
Das Wichtigste in dieser Woche nach Ostern.

Und das Wichtigste in unserem Leben. Weil wir doch sterblich sind.
"Uns allen blüht der Tod", ich weiß nicht, von wem dieses Zitat ist.

Uns allen blüht der Tod - ja, aber genauso wichtig und am Ende wichtiger:

Uns allen blüht das Leben!

Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.  Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. 

So schreibt Paulus im 1. Korintherbrief im 15. Kapitel -
und Georg Friedrich Händel hat dazu ganz wunderbare Musik gemacht - hören Sie selbst!

https://youtu.be/F6JFed_Y30A



Burkhard Müller -  16. April 2020

Mittwoch, 15. April 2020

Nur ein schönes Märchen?


Es gibt ja nicht wenige Menschen, die mit der Bibel nicht viel anfangen können. Es ist zwar das Buch, das auf der Welt am meisten verbreitet ist, gelesen wird es hingegen weitaus weniger. Viele halten die Bibel für ein Märchenbuch, schön und vielleicht sogar hilfreich an der einen oder anderen Stelle, mehr aber auch nicht.

Gerade die Bibelstellen mit der Ostergeschichte sind für viele Menschen dem Bereich der Märchen zuzuordnen. Wer soll und kann denn bitteschön daran glauben, dass ein toter Mensch wieder lebendig wird, dass jemand von den Toten aufersteht?

Diese Frage ist übrigens überhaupt nicht neu. Schon die engsten Vertrauten Jesu hatten ihre Zweifel an der Botschaft: „Jesus lebt“. Der „ungläubige Thomas“ steht hier als bekanntestes Beispiel für viele andere – bis heute.

Wenn ich allerdings daran glaube, dass Gott unsere Welt erschaffen hat, dann kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Jesus, der uns von seinem Vater im Himmel erzählt hat, einfach hingerichtet wurde und dass damit dann alles vorbei war. Das kann nicht sein!

Erklären kann ich die Sache tatsächlich nicht. Aber daran glauben kann ich sehr wohl. Ich vertraue darauf, dass Gott mächtiger ist als der Tod und dass darum auch Jesu 
Auferstehung eben kein Märchen ist, sondern vielmehr der Beginn von etwas ganz Neuem.

Jesus selber sagt von sich: „Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer da lebt und an mich glaubt, der wird nimmermehr sterben.“

(Holger Höppner, 15.04.20)

Dienstag, 14. April 2020

Aufstehen - mit lebendigem Haar und atmender Haut




Auferstehung  -  selbst erleben

Ostersonntag war vorgestern,
Ostermontag war gestern.

Und heute ist Osterdienstag?
Nein, einen besonderen Osterdienstag gibt es ja nicht.
In keinem Kalender ist der Tag 

heute rot als Feiertag markiert, weil ja schon wieder Alltag ist.

Nur das Gewohnte ist um uns ... , schreibt Marie Luise Kaschnitz.

Das Gewohnte - im Frühjahr 2020 wird das Außergewöhnliche langsam gewöhnlich:
Abstand zueinander, mehr für sich sein, nicht wissen, wie es genau weitergeht.


Keine Fata Morgana von Palmen
mit weidenden Löwen 
und sanften Wölfen  - nein, vom Paradies sind wir weit entfernt in diesen Tagen.

In diesen Tagen, wo die Uhren ticken und ihre Leuchtzeiger auch nachts uns zeigen, dass die Zeit vergeht. Die Zeit - unsere Zeit.
Jeder Tag, auch dieser Dienstag, ein Tag unseres Lebens.
Jede Minute, jede Sekunde - unser Leben.


Und dennoch ...  Leben.

Leicht - trotz Pandemie.
Unverwundbar - im tiefsten unverwundbar trotz Krankheit und Tod ...
Geordnet in geheimnisvoller Ordnung - und nicht ausgeliefert all dem, was jetzt so chaotisch ungeordnet scheint ...
Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.

Wie kann das sein? 
Weil wir, ja, weil wir Kinder Gottes sind.  

 

 Burkhard Müller - 14. April 2020


Montag, 13. April 2020

Alles anders und trotzdem gleich



(Leeres Grab bei Jerusalem)
Die meisten von Ihnen werden den gestrigen Ostersonntag anders verbracht haben, als Sie das üblicherweise in der Vergangenheit getan haben. Und auch der heutige Ostermontag ist alles andere als das „same procedure as every year“.  Aber trotzdem gilt: Ostern 2020 ist deshalb nicht weniger Ostern, nur weil wir uns nicht zum Gottesdienst versammeln können!
Das ist zweifellos traurig und wir alle sind wohl froh und erleichtert, wenn diese Zeit der Kontaktsperre endlich wieder vorüber ist. Doch was uns mit dem leeren Grab geschenkt wurde, bleibt auch in diesem Jahr eine wichtige Botschaft, besser: die zentrale Botschaft, die uns anvertraut ist – und der wir uns anvertrauen dürfen. Trotz allem gilt: „Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!“

Die Auferstehung sprengt alle Vorstellungskraft, übersteigt jeden menschlichen Verstand. Sie ist unlogisch, widerspricht jeder Erfahrung, jedem Wissen, jeder Forschung. Ja, sie protestiert geradezu gegen all die scheinbaren Sicherheiten, denen wir uns im Alltag anvertrauen, all den Bedingungen und Voraussetzungen, die wir für selbstverständlich halten. Es klingt geradezu verrückt: Die Auferstehung widerspricht im Grunde genommen dem Leben, so wie wir es kennen – dem Leben mit all seinen Unzulänglichkeiten, mit all seinen Abgründen und Perversitäten, mit all dem, was uns leiden lässt. So stellt sie sich auch gegen das letzte Ende, das uns ereilen wird: den Tod.

Auch in diesem Jahr dürfen wir bestaunen, was Gott an Ostern vollbracht hat und was unser ganzes Leben bestimmen kann: Ein leeres Grab, das voll von Hoffnung ist. Ein Versprechen, dass der Tod nur die letzte Barriere ist, die Gott schon längst überwunden hat. Ein Auferstandener, der den Weg vorausgeht, auf dem auch wir eines Tages unser Ziel finden werden.

Vielleicht mögen Sie mit folgenden Worten beten:
Herr, das Leiden deines Sohnes
war nicht das Ende.
In ihm hast du neues Leben geschaffen
und uns neues Leben versprochen.
Darum bitten wir dich:
Lass uns das Leben mit seinen hellen, aber auch mit seinen dunklen Stunden
aus deiner Hand annehmen, mit Würde gestalten und mit Sinn füllen.
Und wenn wir am Ende sind, dann mach du einen neuen Anfang.
Wecke in uns Freude, wenn wir traurig sind.
Wecke in uns Lebensmut, wenn wir verzweifeln wollen.
Wecke in uns die Kraft deines Geistes, wenn uns die Kräfte schwinden.
Wecke in uns Hoffnung, wo wir nur Elend sehen.
Wecke in uns Glauben, wenn wir an dir zweifeln.
Wecke in uns das Leben, Wenn wir dem Tode nahe sind.
Amen.

(Holger Höppner, 13.04.20)

Sonntag, 12. April 2020

Ostern - der Anfang des Begreifens


Ostern - fällt aus?


Ostern ist eigentlich das größte Fest der Christenheit.
In diesem Jahr ist alles so anders: Auch heute kein gemeinsamer in der Kirche gefeierter Gottesdienst und kein Osterfrühstück miteinander, keine Besuche innerhalb der Familien.
In den Supermärkten blieben die Regale mit den Ostersachen fast unbeachtet - dafür hat ja mancher mittlerweile Klopapier für Monate im Voraus gebunkert
Und wieder nur telefonieren und skypen statt direkter Begegnung, Distanz statt Nähe.
Alles aus Vorsicht, aus Angst.
Zukunftsängste statt Osterfreude.

Also fällt Ostern 2020 einfach aus?
Nein, denke ich – im Gegenteil:
Kann es gerade jetzt an der Zeit sein, sich genau in den alten Ostergeschichten zu finden?

Damals sind es nur zwei Frauen, die zu einem Grab gehen,
um dort einen Toten zu salben,
um zu zeigen: „Wir haben ihn lieb gehabt …“

Die anderen trauen sich nicht, verstecken sich irgendwo in den Häusern. Aus Angst.
Das Geschehen der letzten Tage hat sie zu Tode erschreckt,
sie sind weggelaufen -  wollen sich in Sicherheit bringen.
Damals, das war in Jerusalem.


Heute geschieht Ähnliches – und gleich in der ganzen Welt.
Erschreckt sind wir und würden am liebsten weglaufen vor den tagtäglichen Kurven von Infektionszahlen, vor den Bildern vom Leid in den Krankenhäusern, an den Beatmungsmaschinen.
Vor dem Kreuz – vor dem Virus – vor dem Tod.



„Er ist auferstanden, wahrhaftig auferstanden!“ – die zwei Frauen, die Jünger, alle haben es so schwer, das zu glauben.

Und es braucht  Zeit, rchtig Zeit, bis man begreift und sieht:
Am Ende siegt nicht der Tod.
Sondern das Leben.
„Ich lebe - und ihr sollt auch leben!“ (Joh 14, 19) sagt Jesus.